Kalk am Wasserhahn entfernen ➤ 6 Hausmittel, die wirklich funktionieren & was deine Armatur ruiniert

So entkalkst du Chrom, Edelstahl, Messing und schwarze Armaturen – ohne Schäden, ohne Spezialreiniger, ohne Handwerker.

Der Wasserstrahl spritzt in alle Richtungen, das Sieb am Auslauf ist weiß verkrustet und die Armatur sieht aus, als hätte sie zehn Jahre auf dem Buckel – dabei ist sie zwei Jahre alt. Das Problem ist nicht dein Putzverhalten. Das Problem ist Chemie.

Und genau deshalb lässt es sich auch mit Chemie lösen. Kalk am Wasserhahn entfernen geht in den meisten Fällen mit Hausmitteln, die du bereits in der Küche stehen hast. Entscheidend ist aber nicht ob du Zitronensäure oder Essig nimmst – sondern wie du es tust und bei welchem Material. Denn was bei einer Edelstahl-Armatur problemlos funktioniert, zerstört eine schwarze Designarmatur in Minuten.

Dieser Artikel erklärt dir die sechs wirksamsten Hausmittel mit exakten Mischverhältnissen, zeigt den Ballon-Trick Schritt für Schritt und sagt dir ehrlich, was du bei Chrom, Messing, Schwarz und Edelstahl niemals tun solltest.

Das Wichtigste in Kürze

Inhalt

  • Zitronensäure ist das sicherste Hausmittel – Hersteller wie Hansgrohe empfehlen sie ausdrücklich, weil sie Chrom und andere Metalle am wenigsten angreift.
  • Essig funktioniert, hat aber einen Preis: Essigsäure macht Gummidichtungen und Silikonfugen porös. Der Hahn kann danach tropfen.
  • Niemals Zitronensäure mit heißem Wasser mischen. Es entsteht Calciumcitrat – eine steinharte weiße Masse, schlimmer als der ursprüngliche Kalk.
  • Schwarze Armaturen sind extrem empfindlich – keine starken Säuren, keine Mikrofasertücher, nur weiche Baumwolllappen.
  • Messing und Kupfer vertragen kaum Säure – Essig erzeugt auf beiden Materialien Grünspan, Zitronensäure darf nur extrem kurz und verdünnt zum Einsatz kommen.
  • Der Ballon-Trick löst das häufigste Problem: einen Perlator entkalken, ohne ihn abschrauben zu müssen.
  • Vorbeugung kostet 10 Sekunden: Hahn nach dem Benutzen kurz abtrocknen. Keine Verdunstung = kein Kalk.
  • Saure Entkalker + chlorhaltige Reiniger = Lebensgefahr. Bei dieser Kombination entsteht giftiges Chlorgas.
Kalk am Wasserhahn entfernen – Vorher-Nachher-Vergleich: Links stark verkalkter Wasserhahn mit Kalkablagerungen (rotes X), rechts glänzender, sauberer Chromhahn nach Behandlung (grüner Haken). Methode: Zitrone, Tuch und 15 Minuten Einwirkzeit.
Vorher – nachher: Kalk am Wasserhahn lässt sich mit Zitronensäure und einem Tuch in 15 Minuten entfernen.

Wie bekomme ich hartnäckigen Kalk vom Wasserhahn, ohne ihn zu beschädigen?

  1. Zitronensäure-Lösung anrühren: 2–3 Esslöffel Zitronensäure-Pulver in 250 ml kaltem Wasser auflösen.
  2. Baumwolltuch tränken: Ein weiches Baumwolltuch in der Lösung satt durchtränken.
  3. Um den Hahn wickeln: Das Tuch um die verkalkten Stellen legen und 10–15 Minuten einwirken lassen (bei extremen Verkrustungen bis 30 Minuten).
  4. Abspülen und trocknen: Tuch entfernen, mit klarem Wasser nachspülen, Armatur trockenreiben.
  5. Bei festsitzendem Perlator: Den Ballon-Trick anwenden (Anleitung weiter unten).

Diese Methode funktioniert sicher auf Chrom und Edelstahl. Bei schwarzen Armaturen die Lösung deutlich stärker verdünnen (1 Esslöffel auf 500 ml), bei Messing oder Kupfer maximal 5 Minuten einwirken lassen.

Warum Wasserhähne verkalken (und wie Säure wirkt)

Wer den Grund für Kalkablagerungen kennt, versteht auch, warum bestimmte Hausmittel funktionieren – und andere nicht.

Leitungswasser enthält gelöstes Calcium in Form von Calciumhydrogencarbonat. Solange das Wasser fließt, bleibt das Calcium unsichtbar in Lösung. Sobald das Wasser aber verdunstet oder erhitzt wird, entweicht gelöstes CO₂. Dadurch wandelt sich das lösliche Calciumhydrogencarbonat in schwer lösliches Calciumcarbonat (CaCO₃) um – der weiße Belag, den du siehst.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Wie schnell dein Wasserhahn verkalkt, hängt vom Härtegrad deines Wassers ab. Ab 14 °dH (Grad deutscher Härte) gilt Wasser als „hart“. 1 °dH entspricht etwa 10 mg Calciumoxid pro Liter. Deinen lokalen Härtegrad findest du auf der Website deines Wasserversorgers, auf der letzten Jahresabrechnung – oder im Online-Verzeichnis für Wasserhärten.

Gibst du jetzt eine Säure wie Zitronensäure auf den Kalk, passiert Folgendes: Die Säuremoleküle geben Wasserstoff-Ionen (H⁺) ab. Diese spalten das harte Calciumcarbonat auf. Es entstehen drei Dinge – ein wasserlösliches Calciumsalz, Wasser und CO₂. Das CO₂ erkennst du am leichten Aufschäumen. Genau dieses Bläschenbilden zeigt dir: Die Entkalkung funktioniert.

Das Problem dahinter ist also immer dasselbe: stehendes, verdunstendes Wasser. Und die Lösung ist immer eine kontrollierte Säurereaktion. Die Frage ist nur: Welche Säure, wie stark verdünnt, wie lange – und auf welchem Material.

Wasserhahn entkalken ohne Abschrauben: Der Ballon-Trick in 6 Schritten

Kalk am Wasserhahn entfernen durch Einweichen – mit Gummiband befestigter Beutel mit Zitronensäure-Lösung am verkalkten Perlator. Einwirkzeit 15 Minuten, nur kaltes Wasser verwenden. Mischverhältnis: 2–3 EL Zitronensäure auf 250 ml Wasser.
Der Beutel-Trick: Zitronensäure-Lösung (2–3 EL auf 250 ml) mit Gummiband am Wasserhahn befestigen, 15 Minuten einwirken lassen – nur kaltes Wasser verwenden.

Der häufigste Frust: Der Perlator (das Sieb am Auslauf) ist so verkalkt, dass er sich nicht mehr abschrauben lässt. Jeder Versuch mit der Zange hinterlässt nur Kratzer. Der Ballon-Trick ermöglicht das Entkalken des Perlators direkt am Hahn – ohne Werkzeug und ohne Risiko.

  1. Behälter vorbereiten: Nimm einen Luftballon, ein Kondom oder einen kleinen Gefrierbeutel.
  2. Entkalker-Lösung ansetzen: Löse 2–3 Esslöffel Zitronensäure-Pulver in 250 ml kaltem Wasser auf (ergibt ca. 5 %ige Lösung).
  3. Befüllen: Gieße die Lösung in den Ballon oder Beutel – so viel, dass der Perlator komplett eintauchen wird.
  4. Überstülpen: Stülpe den Ballon von unten über den Auslauf des Wasserhahns. Der Perlator muss vollständig in der Flüssigkeit hängen.
  5. Fixieren: Befestige den Ballon mit einem Haushaltsgummi am Hahn. Nicht zu locker – es darf nichts abtropfen.
  6. Einwirken und spülen: 10–15 Minuten warten (bei extremen Verkrustungen bis 30 Minuten, bei Chrom nicht länger). Dann abnehmen und warmes Wasser laufen lassen, um gelösten Kalk aus dem Sieb zu spülen.

Nach dem Einweichen lässt sich der Perlator in den meisten Fällen auch wieder abschrauben – der Kalk, der ihn festgehalten hat, ist jetzt aufgelöst.

Gewinde nicht vergessen: Wenn der Perlator ab ist, lohnt sich ein Blick auf das freigelegte Gewinde am Hahn. Dort setzt sich oft genauso viel Kalk fest. Eine alte Zahnbürste in Zitronensäure-Lösung tunken und das Gewinde damit gründlich abschrubben – so lässt sich der Perlator beim nächsten Mal deutlich leichter lösen und sitzt wieder sauber im Gewinde.

Die 6 Hausmittel im Detail: Was wirklich funktioniert

1. Zitronensäure – der zuverlässigste Entkalker

So gehst du vor: 2–3 Esslöffel Zitronensäure-Pulver in 250 ml kaltem Wasser auflösen. Ein weiches Baumwolltuch tränken, um den Hahn wickeln, 10–15 Minuten einwirken lassen. Bei extremen Verkrustungen bis 30 Minuten. Abspülen, trockenreiben.

Geeignet für: Chrom, Edelstahl, bedingt für schwarze Armaturen (dann nur 1 Esslöffel auf 500 ml, max. 10 Minuten).

Führende Armaturenhersteller wie Hansgrohe testen Reinigungsmittel im eigenen Qualitätslabor und sprechen sich ausdrücklich für Zitronensäure aus – und ebenso klar gegen Essig und Salzsäure. Im offiziellen Reinigungsratgeber von Hansgrohe wird Zitronensäure als schonende und wirksame Methode beschrieben. Auch das Umweltbundesamt empfiehlt Zitronensäure als umweltschonende Alternative zu teuren Spezial-Entkalkern.

Nicht verwenden bei: Heißem Wasser. Punkt. Dazu mehr im Fehler-Kapitel.

2. Essig / Essigessenz – wirksam, aber riskant

So gehst du vor: Haushaltsessig (5 % Säure) unverdünnt oder Essigessenz (25 %) im Verhältnis 1:4 mit Wasser verdünnen. Auftragen, maximal 10–15 Minuten einwirken lassen, gründlich abspülen.

Geeignet für: Edelstahl (verträgt Essig gut). Im Notfall für Chrom – aber nur kurz und verdünnt.

Nicht verwenden bei: Schwarzen Armaturen, Messing, Kupfer, Naturstein in der Nähe, empfindlichen Dichtungen. Essigsäure entzieht Gummidichtungen und Silikon die Weichmacher. Die Folge: O-Ringe werden porös, der Hahn tropft. Wer also nach dem Entkalken mit Essig plötzlich einen tropfenden Hahn hat, kennt jetzt den Grund. Auf Messing und Kupfer erzeugt Essig zudem Grünspan – eine giftige Kupferacetat-Verbindung, die sich nur schwer wieder entfernen lässt.

Essig auf Dauer macht Chrom außerdem blind und stumpf. Für eine einmalige Anwendung im Notfall ist er akzeptabel – als regelmäßiger Entkalker nicht.

3. Gebissreiniger-Tabs – der unterschätzte Alleskönner

So gehst du vor: Einen Gebissreiniger-Tab (z. B. Corega Tabs) in einem Glas warmem Wasser auflösen. Den abgeschraubten Perlator für 15 Minuten in die sprudelnde Lösung einlegen. Alternativ die Lösung in einen Ballon füllen und den Ballon-Trick anwenden.

Geeignet für: Perlatoren, Duschköpfe, alle herausnehmbaren Kleinteile.

Gebissreiniger-Tabs enthalten eine Kombination aus milden Säuren (meist Zitronensäure), Natriumpercarbonat und Tensiden. Diese Mischung löst Kalk zuverlässig und wirkt gleichzeitig antibakteriell – besonders sinnvoll bei Perlatoren, in deren Siebgeflecht sich gerne Biofilme bilden. Die Tabs sind einzeln verpackt, exakt vordosiert und kosten in der Großpackung nur wenige Cent pro Stück. Für die regelmäßige Perlator-Reinigung alle paar Monate eine der einfachsten Methoden überhaupt.

Nicht verwenden für: Großflächige Kalkverkrustungen am Armaturenkörper – dafür ist die Säurekonzentration zu gering. Für den Perlator im Glas aber ideal.

4. Zahnpasta – für leichte Kalkflecken außen

So gehst du vor: Eine erbsengroße Menge weiße Zahnpasta (keine Gel-Variante) auf ein feuchtes, weiches Tuch geben. In kreisenden Bewegungen über die Kalkflecken reiben. Mit klarem Wasser abwischen.

Geeignet für: Leichte Kalkränder und Wasserflecken auf Chrom und Edelstahl.

Zahnpasta enthält milde Putzkörper wie Schlämmkreide oder Silikate. Diese wirken als feines Mikro-Schleifmittel und tragen dünne Kalkschichten mechanisch ab, ohne harte Metalloberflächen zu zerkratzen. Bei dicken Verkrustungen reicht das nicht – da brauchst du Säure.

Nicht verwenden bei: Schwarzen oder matten Armaturen, Messing und Kupfer. Die Schleifwirkung hinterlässt auf dunklen und weichen Metalloberflächen sichtbare Spuren.

5. Natron / Backpulver – die Polierpaste für blinde Stellen

So gehst du vor: 2 Esslöffel Natron mit wenigen Tropfen Wasser zu einer dickflüssigen Paste anrühren. Mit einem weichen Tuch auf stumpfe, blinde Chromstellen auftragen. Sanft polieren, abspülen, trocknen.

Geeignet für: Chromarmaturen, die durch harte Reiniger stumpf geworden sind.

Ein häufiger Irrtum: Natron ist kein Entkalker. Es ist leicht basisch, also das chemische Gegenteil einer Säure. Kalk löst es daher nicht auf. Was es kann: blinde, stumpfe Chromflächen wieder auf Hochglanz polieren. Wer also nach dem Entkalken mit Zitronensäure noch matte Stellen sieht, nimmt Natron als zweiten Schritt.

Nicht verwenden bei: Hartnäckigem Kalk (wirkungslos), schwarzen Armaturen (Schleifwirkung) und Messing/Kupfer (trägt die Patina unkontrolliert ab).

6. Orangen- und Zitronenschalen – der Quick-Fix für frische Flecken

So gehst du vor: Die Innenseite einer ausgepressten Zitronen- oder Orangenhälfte direkt über frische Wasserflecken reiben. Kurz einwirken lassen, abspülen, trocknen.

Geeignet für: Frische Kalkflecken und Wasserränder auf Chrom und Edelstahl.

Die Innenseiten von Zitrusschalen enthalten natürliche ätherische Öle und milde Fruchtsäuren. Die Säure löst frische Kalkspuren, die Öle hinterlassen einen dünnen Film, der das Metall kurzzeitig vor neuen Flecken schützt. Gegen eingesessene Verkrustungen reicht die Säurekonzentration nicht aus – dann ist Zitronensäure-Pulver die bessere Wahl.

Nicht verwenden bei: Altem, festsitzendem Kalk. Die Wirkung ist zu schwach.

Material-Guide: Was verträgt deine Armatur?

Kalk am Wasserhahn entfernen – Flat-Lay aller Mittel: 2 EL Zitronensäure, 250 ml kaltes Wasser, halbe Zitrone, Tuch und Reinigungsflasche. In der Mitte ein verkalkter Perlator. Einwirkzeit 10–15 Minuten. Essig nur im Verhältnis 1:4, nicht pur verwenden (rotes X).
Kalk am Wasserhahn entfernen: Zitronensäure (2 EL auf 250 ml kaltes Wasser), 10–15 Minuten einwirken lassen – Essig nur verdünnt (1:4) verwenden.

Das teuerste Hausmittel ist das falsche auf der falschen Oberfläche. Chromarmaturen bestehen im Kern meist aus Messing, das nur hauchdünn galvanisch verchromt ist. Hat die Chromschicht Mikrorisse, dringen starke Säuren bis zum Messing vor – und die Armatur korrodiert von innen.

Schwarze Armaturen sind meist pulverbeschichtet oder galvanisiert und die empfindlichste Kategorie überhaupt. Echtes massives Edelstahl dagegen ist robust und verträgt sowohl Essig als auch Zitronensäure sehr gut.

Unbeschichtetes Messing und Kupfer bilden eine Sondergruppe. Beide Materialien reagieren besonders empfindlich auf Säuren: Essig erzeugt auf Messing und Kupfer Grünspan (giftiges Kupferacetat), Zitronensäure kann die natürliche Patina fleckig abtragen. Wer eine Messing- oder Kupferarmatur entkalken muss, arbeitet nur mit stark verdünnter Zitronensäure (1 Esslöffel auf 500 ml), lässt sie maximal 5 Minuten einwirken und spült sofort gründlich nach. Essig und Essigessenz sind bei diesen Materialien komplett tabu.

MethodeChromEdelstahlSchwarz (matt/glanz)Messing / Kupfer
Zitronensäure (5 %)✅ max. 15 Min. (30 bei Extremkalk)✅ bis 60 Min.⚠️ nur stark verdünnt (1 %), max. 10 Min.⚠️ nur stark verdünnt (1 %), max. 5 Min.
Essig (5 %)⚠️ max. 10 Min., nicht regelmäßig✅ problemlos❌ greift Beschichtung an❌ Grünspan-Gefahr
Essigessenz (25 %)❌ macht Chrom blind✅ verdünnt (1:4)❌ zerstört Oberfläche❌ zerstört Oberfläche, Grünspan
Gebissreiniger-Tab✅ Perlator einlegen✅ Perlator einlegen✅ Perlator einlegen (nicht außen)⚠️ nur kurz, max. 10 Min.
Zahnpasta✅ leichte Flecken✅ leichte Flecken❌ Schleifwirkung sichtbar❌ trägt Patina ab
Natron-Paste✅ zum Nachpolieren✅ zum Nachpolieren❌ Kratzer auf dunkler Fläche❌ unkontrollierter Patina-Abtrag
Zitrusschalen✅ frische Flecken✅ frische Flecken⚠️ nur sanft, sofort abwischen⚠️ nur sanft, sofort abwischen
Mikrofasertuch✅ zum Trocknen✅ zum Trocknen❌ wirkt wie Schmirgelpapier❌ kann Patina zerkratzen
Baumwolltuch✅ einzige sichere Option✅ einzige sichere Option

Realitäts-Check schwarze Armaturen: Hersteller warnen bei mattschwarzen Armaturen ausdrücklich vor Mikrofasertüchern – deren feine Fasern wirken auf der empfindlichen Beschichtung wie Schmirgelpapier. Wer eine schwarze Armatur besitzt, reinigt ausschließlich mit einem weichen Baumwolltuch und maximal milder Seifenlauge. Alles andere ist ein Risiko.

5 typische Fehler beim Entkalken – und warum sie so viel Schaden anrichten

Fehler 1: Zitronensäure mit heißem Wasser anrühren

Klingt logisch – heiß löst besser. Stimmt aber bei Zitronensäure nicht. In Kombination mit Hitze reagiert Zitronensäure mit dem Kalk zu Calciumcitrat. Das ist eine weiße, steinharte Kruste, die sich noch schwerer entfernen lässt als der ursprüngliche Kalk. Immer kaltes oder lauwarmes Wasser verwenden.

Fehler 2: Essig als Standard-Entkalker nutzen

Essig löst Kalk – das stimmt. Aber er greift gleichzeitig Dichtungen, Silikon und Chromoberflächen an. Wer monatlich mit Essig entkalkt, hat nach einem Jahr poröse O-Ringe und einen tropfenden Hahn. Zitronensäure liefert das gleiche Ergebnis ohne diese Nebenwirkungen.

Fehler 3: Perlator mit blanker Rohrzange abschrauben

Wer den festsitzenden Perlator mit einer Rohrzange ohne Schutz packt, zerkratzt die Oberfläche irreversibel. Lege immer ein dickes Baumwolltuch oder ein Stück Gummi (z. B. ein aufgeschnittenes Spülhandschuh-Stück) zwischen Zange und Metall. Oder nutze erst den Ballon-Trick, damit sich der Perlator danach von Hand löst.

Die bessere Alternative: Im Baumarkt gibt es für wenige Euro einen sogenannten Perlatorschlüssel (auch Armaturenschlüssel genannt). Dieses kleine Kunststoff-Werkzeug passt exakt in die Einkerbungen des Perlators und löst ihn ohne jedes Kratzrisiko. Bei einigen Perlator-Modellen mit zwei gegenüberliegenden Kerben funktioniert sogar eine 1-Cent-Münze als Notlösung – einfach in die Kerben setzen und drehen.

Fehler 4: Saure Entkalker mit chlorhaltigen Reinigern mischen

Achtung Gesundheitsgefahr: Wenn saure Entkalker (Essig, Zitronensäure) auf chlorhaltige Badreiniger oder Schimmelentferner treffen, entsteht giftiges Chlorgas. Nie im selben Arbeitsgang verwenden. Nicht im selben Eimer. Nicht am selben Tag ohne gründliches Zwischenspülen.

Fehler 5: Zu lange einwirken lassen und vergessen

10–15 Minuten reichen bei Zitronensäure auf Chrom für die reguläre Reinigung völlig aus. Wer das getränkte Tuch „über Nacht“ dran lässt, riskiert, dass selbst milde Säuren die Oberfläche angreifen. Stell dir einen Timer.

Vorbeugung: So bleibt der Wasserhahn kalkfrei

Entscheidend ist eine einfache Erkenntnis: Kalk entsteht nur dort, wo Wasser verdunstet. Kein stehendes Wasser = kein Kalk. Die effektivste Vorbeugung kostet kein Geld und keine 10 Sekunden.

  • Abtrocknen nach jeder Benutzung: Ein Handtuch neben dem Waschbecken, kurz über den Hahn wischen. Wer das konsequent macht, muss praktisch nie entkalken.
  • Kalkflecken sofort behandeln: Frischer Kalk löst sich mit einem feuchten Tuch. Eingetrockneter Kalk braucht Säure und Einwirkzeit.
  • Perlator regelmäßig abschrauben und reinigen: Alle 3–4 Monate den Perlator abschrauben und 15 Minuten in eine Schale mit Zitronensäure-Lösung oder einen aufgelösten Gebissreiniger-Tab legen. Das verhindert, dass er festfrisst.
  • Wasserhärte kennen: Ab 14 °dH hast du hartes Wasser und musst öfter ran. Bei weichem Wasser unter 8 °dH reicht gelegentliches Abtrocknen.

Wann du einen Fachmann rufen solltest

Hausmittel lösen Kalk auf Oberflächen und in Perlator-Sieben. Was sie nicht lösen: verkalkte Mechanik im Inneren der Armatur.

Wenn der Hebel deiner Mischbatterie extrem schwergängig ist, sich nur noch ruckweise bewegen lässt oder klemmt, ist häufig die innere Keramikkartusche verkalkt. Das Öffnen des Armaturenkörpers erfordert Fachwissen und das richtige Werkzeug. Laien machen hierbei oft die Dichtungen komplett kaputt – und aus einem lösbaren Problem wird ein Wasserschaden.

Auch wenn der Hahn trotz gründlicher Entkalkung weiterhin tropft, liegt das Problem vermutlich nicht am Kalk, sondern an bereits zerstörten Dichtungen. In diesem Fall ist ein Installateur die günstigere Lösung als ein neuer Wasserhahn.

FAQ: Die häufigsten Fragen zum Kalk am Wasserhahn

Wie bekomme ich hartnäckigen Kalk vom Wasserhahn?

Ein in 5-prozentiger Zitronensäure-Lösung (kalt angerührt) getränktes Baumwolltuch um die verkalkten Stellen wickeln und 10–15 Minuten einwirken lassen. Bei extrem dicken Krusten den Vorgang wiederholen statt die Einwirkzeit zu verlängern.

Kann man mit Essigessenz entkalken?

Ja, aber mit Risiko: Essigessenz (25 %) immer mindestens 1:4 verdünnen und maximal 10 Minuten einwirken lassen. Sie greift Gummidichtungen und Chromoberflächen an – Zitronensäure ist die schonendere Wahl.

Wie entkalke ich den Wasserhahn ohne Abschrauben?

Mit dem Ballon-Trick: Einen Luftballon oder Gefrierbeutel mit Zitronensäure-Lösung füllen, über den Auslauf stülpen, mit einem Gummiband fixieren und 10–15 Minuten einwirken lassen.

Ist Zitronensäure besser als Essig zum Entkalken?

Für Armaturen eindeutig ja. Zitronensäure löst Kalk genauso effektiv, greift aber weder Chrom noch Dichtungen an. Hansgrohe empfiehlt sie ausdrücklich und rät von Essig ab.

Was greift Chrom an?

Unverdünnte Essigessenz, Salzsäure, Ameisensäure, chlorhaltige Reiniger und Scheuermittel. Sicher sind Zitronensäure (max. 5 %, max. 15 Minuten) und milde Seifenlauge.

Wie reinigt man schwarze Armaturen?

Ausschließlich mit einem weichen Baumwolltuch und milder Seifenlauge. Bei Kalk maximal eine 1-prozentige Zitronensäure-Lösung für höchstens 10 Minuten – keine Mikrofasertücher, keine unverdünnten Säuren.

Wie lange sollte Essig am Wasserhahn einwirken?

Bei Chrom maximal 10 Minuten, bei Edelstahl bis zu 30 Minuten. Danach gründlich mit klarem Wasser abspülen.

Darf man Backpulver zum Entkalken nehmen?

Nein. Backpulver bzw. Natron ist basisch und löst keinen Kalk – dafür braucht es Säure. Natron eignet sich aber als Polierpaste für stumpfe Chromflächen nach dem Entkalken.

Warum tropft der Wasserhahn nach dem Entkalken?

Meist hat die verwendete Säure (besonders Essig) die Gummidichtungen porös gemacht. In manchen Fällen hat der Kalk eine undichte Stelle „abgedichtet“, die jetzt freigelegt ist – die betroffenen Dichtungen müssen getauscht werden.

Wie bekomme ich den Perlator ab, wenn er festsitzt?

Erst den Ballon-Trick anwenden, um den Kalk im Gewinde aufzulösen. Dann mit einem Perlatorschlüssel (Baumarkt, wenige Euro) oder einer Rohrzange mit untergelegtem Baumwolltuch lösen.

Wie oft sollte man den Wasserhahn entkalken?

Bei hartem Wasser (ab 14 °dH) alle 4 bis 6 Wochen. Bei weichem Wasser oder wenn der Hahn nach der Nutzung konsequent abgetrocknet wird, reicht ein Rhythmus von 3 bis 4 Monaten.

Kann Essigessenz den Wasserhahn kaputt machen?

Ja. Unverdünnte Essigessenz greift die Chromschicht an und entzieht den innenliegenden Gummidichtungen die Weichmacher, wodurch der Hahn undicht werden und tropfen kann.

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