Stockflecken aus nicht waschbaren Textilien entfernen – 7 Methoden gegen Flecken & Muffgeruch
Sofa, Matratze, Kinderwagen, Autositz: Wenn Stockflecken auf Textilien auftauchen, die nicht in die Waschmaschine passen, reichen oft Hausmittel aus der Drogerie. Wir zeigen, wann das funktioniert – und wann du doch zu Spezialchemie greifen musst.
Der gelblich-graue Fleck auf dem Polster, der leicht muffige Geruch, wenn du dich hinsetzt – das sind typische Stockflecken. Und das Problem dahinter ist doppelt ärgerlich: Du kannst den Bezug nicht einfach bei 60 Grad waschen, und je länger du wartest, desto tiefer sitzen die dunklen Pilzrückstände in der Faser.
Viele Ratgeber empfehlen am Ende doch „Bezug abnehmen und waschen“. Das hilft dir nicht weiter, wenn dein Sofa einen fest verpolsterten Bezug hat oder die Matratze keinen abnehmbaren Überzug besitzt. Hier geht es deshalb ausschließlich um Methoden, die direkt auf dem Textil funktionieren – ohne Waschmaschine, ohne Durchnässen, ohne Materialschäden.
Das Wichtigste in Kürze
- Stockflecken sind Pigmentrückstände von Schimmelpilzen – meist kein aktiver Pilzrasen mehr, aber trotzdem ein Allergieauslöser. Laut Umweltbundesamt (UBA) können auch abgetötete Sporen allergische Reaktionen und Atemwegsreizungen verursachen.
- Reines Wasser hilft nicht. Die dunklen Verfärbungen im Fleck sind wasserunlöslich. Du brauchst Alkohol (zum Abtöten), Säure, Oxidationsmittel (zum Bleichen) oder UV-Licht.
- Abtöten und Bleichen sind zwei getrennte Schritte. Isopropanol (70 %) tötet den Pilz, entfernt aber nicht die sichtbare Verfärbung. Für die Optik brauchst du zusätzlich Wasserstoffperoxid (3 %), Sauerstoffbleiche oder UV-Licht.
- Der häufigste Fehler: Zu viel Flüssigkeit verwenden. Nasser Schaumstoff trocknet extrem langsam – und liefert dem Pilz genau die Feuchtigkeit, die er braucht.
- Immer tupfen, nie reiben. Reiben drückt Sporen tiefer ins Gewebe und verteilt sie in der Raumluft.
- Frische Stockflecken lassen sich zu ca. 90 % entfernen. Bei alten Flecken ist die Faserstruktur oft chemisch verändert – dann bleibt ein Schatten.
- Nachbehandlung ist Pflicht: Geruch verschwindet oft erst durch Natron-Pulver und UV-Licht (Sonne).

Wie entferne ich Stockflecken, wenn ich den Stoff nicht waschen kann?
Zwei Schritte: Erst den Pilz abtöten (Isopropanol 70 % auftupfen, trocknen lassen), dann den sichtbaren Fleck bleichen (Wasserstoffperoxid 3 % auftragen oder 2–4 Stunden direkte Sonne). Restgeruch mit Natronpulver über Nacht behandeln und absaugen.
Warum entstehen Stockflecken – und warum verschwinden sie nicht von allein?
Stockflecken sind keine Verschmutzung im klassischen Sinne. Sie sind das Ergebnis von Pilzwachstum. Schimmelpilze – meist Arten der Gattungen Aspergillus oder Penicillium – besiedeln das Textil, ernähren sich von organischem Material und hinterlassen dabei dunkle Verfärbungen (sogenannte Melanin-Pigmente) in der Faser.
Drei Bedingungen reichen dafür aus: eine relative Luftfeuchtigkeit von dauerhaft über 70 %, Temperaturen zwischen 15 und 30 Grad und ein Nährboden. Bei Polstermöbeln liefern Hautschuppen, Schweiß und Textilappreturen genug Nahrung.
Diese Melanin-Pigmente, die Schimmelpilze als natürlichen UV-Schutz bilden, sind chemisch extrem stabil und wasserunlöslich. Deshalb hilft feuchtes Abwischen nicht. Du brauchst entweder ein Lösungsmittel (Alkohol) zum Abtöten des Pilzes und anschließend ein Oxidationsmittel (Wasserstoffperoxid, Sauerstoffbleiche) oder UV-Strahlung, um die Pigmente aufzubrechen und den sichtbaren Fleck zu entfernen. Reines Wasser verschiebt das Problem nur.
Das Umweltbundesamt weist in seinem Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden ausdrücklich darauf hin, dass Schimmelsporen – ob lebend oder abgetötet – als Allergene wirken und Atemwegsbeschwerden auslösen können. Auch ein „toter“ Stockfleck ist deshalb nicht harmlos und sollte gründlich behandelt werden.
Entscheidend ist außerdem der Unterschied zwischen Natur- und Kunstfaser: Auf Baumwolle und Leinen fressen die Pilze die Zellulose selbst an – die Faser wird brüchig, der Schaden ist ein Substanzverlust. Auf Polyester oder anderen Kunstfasern wächst der Pilz dagegen auf der Oberfläche und ernährt sich von Schmutzresten. Hier sind die Chancen auf vollständige Entfernung deutlich besser.
Wichtig – zwei Schritte, nicht einer: Viele Anleitungen im Netz unterscheiden nicht zwischen „Pilz abtöten“ und „Fleck entfernen“. In der Praxis heißt das: Nach der Alkoholbehandlung ist der Pilz tot, aber der Fleck noch sichtbar. Wer nur desinfiziert und sich über den verbleibenden Fleck wundert, hat keinen Fehler gemacht – sondern nur den zweiten Schritt (Bleichen/Oxidieren) vergessen.
Kurzanleitung: Stockflecken entfernen in 5 Schritten

- Trockene Vorbehandlung: Lose Sporen mit einer weichen Bürste nach draußen oder in einen Beutel abbürsten – nicht im Wohnraum aufwirbeln. Alternativ: mit Staubsauger und HEPA-Filter absaugen.
- Farbechtheitsprobe: Das gewählte Mittel an einer verdeckten Stelle (Rückseite, Unterseite) testen. 10 Minuten warten. Keine Verfärbung? Weiter.
- Abtöten & Behandeln: Erst den Pilz mit Alkohol abtöten. Dann das passende Mittel zur Fleckentfernung auftragen (Anleitungen siehe unten). Grundregel: Von den Rändern zur Mitte arbeiten, um Wasserränder zu vermeiden.
- Trocknen: Textil in die Sonne stellen oder vor einen Ventilator. Keinen Föhn verwenden – direkte Hitze kann Kunstfasern verformen und organische Flecken fixieren.
- Geruchsbehandlung: Natronpulver dünn aufstreuen, über Nacht wirken lassen, absaugen.
Methode 1: Isopropanol (70 %) – der zuverlässigste Desinfektant
Was Isopropanol kann – und was nicht
Wichtig vorab: Isopropanol ist in erster Linie ein Desinfektionsmittel. Es tötet den Pilz (Myzel und Sporen) zuverlässig ab, indem es deren Proteine denaturiert. Was Alkohol allein nicht kann: die dunklen Melanin-Pigmente aus der Faser lösen. Der Fleck bleibt nach der Alkoholbehandlung oft noch sichtbar – er ist aber „tot“ und nicht mehr aktiv. Für die optische Entfernung brauchst du im Anschluss ein Oxidationsmittel (Methode 2: Wasserstoffperoxid) oder UV-Licht (Methode 7: Sonnenlicht).
So gehst du vor
Gib unverdünnten Isopropanol (70 % Alkoholgehalt, Apotheke oder Drogerie, 100 ml kosten ca. 2–3 Euro) auf ein sauberes weißes Tuch. Tupfe den Stockfleck von außen nach innen ab. Nicht durchnässen – das Tuch soll feucht sein, nicht triefend. Wiederhole den Vorgang zwei- bis dreimal mit frischen Stellen des Tuchs.
Einwirkzeit: Keine nötig. Der Alkohol wirkt beim Kontakt. Anschließend an der Luft trocknen lassen – Isopropanol verdunstet in wenigen Minuten rückstandsfrei.
Günstige Alternative: Brennspiritus (Ethanol). Nicht jeder hat Isopropanol im Haus, aber Brennspiritus steht in vielen Kellern. Er wirkt ähnlich desinfizierend, ist allerdings vergällt – das heißt, er enthält Bitterstoffe und riecht deutlich strenger. Der Geruch verfliegt nach 1–2 Stunden bei guter Belüftung. Brennspiritus ist mit ca. 2 Euro pro Liter zudem deutlich günstiger als Isopropanol.
Geeignet für
Polstersofas (Strukturstoff, Mikrofaser), Autositze, Bürostühle, Matratzenbezüge, Kinderwagen-Verdecke. Besonders gut bei dichten Polstern, weil der Alkohol nicht tief eindringt und schnell verdunstet.
Nicht verwenden bei
Leder und Kunstleder – Alkohol entzieht dem Material Fette und macht es spröde. Auf lackierten oder beschichteten Oberflächen vorher unbedingt an versteckter Stelle testen.
Warum 70 % und nicht reiner Alkohol? Das Umweltbundesamt und das Robert Koch-Institut empfehlen Alkohol mit 70–80 % Gehalt als wirksamstes Desinfektionsmittel für Oberflächen. Reiner Alkohol (99 %) verdunstet zu schnell und kann die Zellwände der Pilze nicht durchdringen. Das Wasser in der 70er-Lösung verlangsamt die Verdunstung gerade genug, damit der Alkohol in die Pilzzelle eindringt und das Protein zerstört.
Methode 2: Wasserstoffperoxid (3 %) – der Fleckbleicher für helle Stoffe
Warum diese Methode wichtig ist
Wasserstoffperoxid ist das Mittel, das die Lücke zwischen „Pilz abtöten“ und „Fleck entfernen“ schließt. Es oxidiert die Melanin-Pigmente im Fleck – die dunkle Verfärbung wird chemisch aufgebrochen und verblasst. Gleichzeitig wirkt Wasserstoffperoxid selbst antimikrobiell. Nach der Reaktion zerfällt es zu Wasser und Sauerstoff – es bleiben keine giftigen Rückstände im Polster.
So gehst du vor
Verwende ausschließlich 3-prozentige Lösung (Apotheke, ca. 3 Euro für 250 ml). Höhere Konzentrationen können Fasern angreifen und Hautreizungen verursachen. Trage die Lösung mit einem weißen Tuch oder einer Sprühflasche sparsam auf den Stockfleck auf. 15–30 Minuten einwirken lassen – du kannst bei hartnäckigen Flecken beobachten, wie die Verfärbung langsam heller wird. Danach mit einem sauberen, leicht feuchten Tuch nachtupfen.
Bei Matratzen besonders sparsam dosieren: Lieber zweimal dünn auftragen als einmal durchnässen. Nach der Behandlung das Textil unbedingt vollständig trocknen lassen (Ventilator oder Sonne).
Geeignet für
Helle und weiße Matratzen, helle Polstermöbel, weiße Kinderwagen-Verdecke, helle Autositze. Wasserstoffperoxid ist besonders effektiv auf Baumwolle und Mischgewebe. Ideal als zweiter Schritt nach der Isopropanol-Desinfektion.
Nicht verwenden bei
Dunkle oder farbintensive Stoffe – auch 3 % Wasserstoffperoxid hat eine bleichende Wirkung und kann helle Flecken hinterlassen. Seide und Wolle reagieren empfindlich auf Oxidationsmittel. Immer zuerst Farbechtheitsprobe an einer verdeckten Stelle durchführen.
Methode 3: Essigessenz – wirksam, aber mit Einschränkungen
So gehst du vor
Mische 1 Teil Essigessenz (25 % Säure) mit 4 Teilen Wasser. Trage die Lösung mit einem Schwamm oder einer Sprühflasche sparsam auf den Fleck auf. 15–20 Minuten einwirken lassen. Danach mit einem feuchten, sauberen Tuch nachtupfen, um Essigreste zu entfernen.
Geeignet für
Helle Textilien und Kunstfasern. Die Säure (pH-Wert ca. 2–3) schafft ein Milieu, in dem Schimmelpilze nicht überleben. Gleichzeitig hat Essigessenz eine leicht bleichende Wirkung auf die Melanin-Pigmente.
Nicht verwenden bei
Dunkle oder farbintensive Stoffe – die bleichende Wirkung hinterlässt helle Stellen. Naturfasern wie Baumwolle und Leinen: Zu hohe Konzentration greift die Zellulose an. Kinderwagen mit Metallgestell: Essigdämpfe und Spritzer können Korrosion verursachen. Gummidichtungen: Werden durch regelmäßigen Säurekontakt spröde und rissig.
Methode 4: Natron-Paste – Geruchskiller und sanfter Pilzhemmer
So gehst du vor
Mische 3 Esslöffel Natron (Natriumhydrogencarbonat) mit 1 Esslöffel Wasser zu einer streichfähigen Paste. Trage die Paste dünn auf den Stockfleck auf. Mindestens 2 Stunden trocknen lassen – bei hartnäckigem Geruch über Nacht. Getrocknete Paste vollständig absaugen.
Der große Vorteil bei nicht waschbaren Textilien: Natron muss nicht ausgespült werden. Das Absaugen reicht. Das Pulver wirkt hygroskopisch, entzieht dem Gewebe restliche Feuchtigkeit und bindet gleichzeitig den muffigen Geruch durch Adsorption.
Geeignet für
Sofas, Matratzen, Teppichböden, Autositze – alles, was du nicht nass machen willst. Natron ist materialschonend und farbneutral.
Nicht verwenden bei
Echtleder – die feinen Kristalle wirken leicht abrasiv und können die Oberfläche verkratzen. Außerdem entzieht Natron dem Leder Feuchtigkeit und trocknet es aus.
Methode 5: Rasierschaum – die Polster-Methode
So gehst du vor
Verwende ausschließlich weißen Rasierschaum ohne Farbzusätze, Menthol oder Pflegestreifen. Sprühe eine haselnussgroße Menge direkt auf den Stockfleck. Mit einer weichen Bürste oder einem Schwamm in kreisenden Bewegungen leicht einarbeiten. 20 Minuten einwirken lassen. Mit einem feuchten Tuch abwischen oder absaugen.
Hier wird oft ein Fehler gemacht: Zu viel Schaum auftragen. Eine dünne Schicht reicht. Der Schaum enthält Kaliumstearat (Seife) und Tenside, die Schmutzpartikel einkapseln und aus der Faser nach oben schwemmen – ohne den Polsterkern zu durchnässen.
Rasierschaum allein tötet den Pilz nicht zuverlässig ab. Er ist ein guter Fleckentferner für leichte Verfärbungen und Schmutz, ersetzt aber nicht die vorherige Desinfektion mit Alkohol bei echten Stockflecken.
Geeignet für
Strukturstoffe, Polstermöbel, Autositze, Teppichböden. Besonders praktisch, weil Rasierschaum in fast jedem Haushalt vorhanden ist.
Nicht verwenden bei
Seide, Samt und andere empfindliche Oberflächen. Das Einbürsten kann hier die Fasern beschädigen. Auch bei Mikrofaser vorsichtig sein – vorher testen, ob der Schaum Rückstände hinterlässt.
Methode 6: Buttermilch – nur für abnehmbare Textilien
So gehst du vor
Buttermilch direkt auf den Fleck auftragen, 1–2 Stunden einwirken lassen und mit reichlich klarem Wasser gründlich ausspülen – am besten in der Badewanne oder mit dem Gartenschlauch. Anschließend das Textil in die direkte Sonne zum Trocknen hängen. Die Milchsäure bekämpft den Pilz, das UV-Licht baut die Pigmente ab.
Geeignet für
Ausschließlich für Textilien, die du komplett abnehmen und danach gründlich durchspülen kannst – zum Beispiel Kinderwagen-Verdecke, abnehmbare Markisenstoffe oder lose Kissenbezüge.
Nicht verwenden bei
Polstermöbeln, Matratzen, Autositzen – und zwar ohne Ausnahme. Das Problem: Buttermilch enthält Proteine und Milchfette, die rückstandslos entfernt werden müssen. In einem Polster, das du nicht durchspülen kannst, bleiben diese Reste im Schaumstoff. Dort werden sie ranzig, ziehen Milben an und erzeugen einen sauren Gestank, der schlimmer ist als der ursprüngliche Stockfleck. Für fest verpolsterte Möbel ist Buttermilch keine Option – nimm stattdessen Isopropanol und Wasserstoffperoxid.
Methode 7: Sonnenlicht (UV-Strahlung) – die kostenlose Nachbehandlung
So gehst du vor
Stelle das behandelte Textil nach der Reinigung für 2–4 Stunden in die pralle Mittagssonne. Nicht in den Schatten, nicht hinter Fensterglas (Fensterglas filtert einen Großteil der UV-B-Strahlung). Kissen hochkant trocknen, damit keine Staunässe entsteht.
UV-Strahlung zerstört die DNA der Pilzsporen und baut gleichzeitig die Melanin-Pigmente ab, die den sichtbaren Fleck verursachen. Als alleinige Methode reicht Sonne bei starken Stockflecken nicht aus – als Ergänzung nach einer chemischen Behandlung ist sie aber extrem wirkungsvoll und kostet nichts.
Geeignet für
Alles, was du nach draußen tragen oder zumindest ans offene Fenster stellen kannst. Ideal als letzter Schritt nach jeder anderen Methode.
Nicht verwenden bei
Farbintensiven Stoffen, die du nicht ausbleichen willst. Längere Sonneneinwirkung kann bei Naturfarben und manchen Drucken zu deutlichem Verblassen führen. Bei weißen oder hellen Textilien ist das natürlich kein Problem – im Gegenteil, der Bleicheffekt ist hier erwünscht.
Material-Guide: Welches Mittel passt zu welchem Textil?
| Material | Empfohlenes Mittel | Alternative | Nicht verwenden | Erfolgschance |
|---|---|---|---|---|
| Strukturstoff (Sofa) | Isopropanol 70 % + Wasserstoffperoxid 3 % | Rasierschaum | Chlorreiniger, zu viel Wasser | Hoch |
| Mikrofaser | Isopropanol 70 % | Natron-Paste | Essigessenz (Ränderbildung möglich) | Hoch |
| Echtleder | Essig-Öl-Mischung (1:1) | Spezielles Lederpflegemittel | Natron, Alkohol pur, Rasierschaum | Mittel |
| Kunstleder | Essigwasser (1:4) | Rasierschaum | Alkohol pur, Scheuermittel | Hoch |
| Matratze (Schaumkern) | Isopropanol 70 % (sparsam!) + Wasserstoffperoxid 3 % | Natron trocken aufstreuen | Alles, was durchnässt; Buttermilch | Mittel bis Hoch |
| Kinderwagen (Synthetik) | Spülmittel-Lösung + Sonne | Isopropanol 70 % | Essig am Metallgestell | Hoch |
| Autositz (Textil) | Isopropanol 70 % | Rasierschaum | Buttermilch, Chlor | Hoch |
| Teppichboden | Natron-Paste | Essigwasser (1:4, helle Teppiche) | Bleichmittel, Heißluftföhn | Mittel |
| Markise (weiß/hell) | Essigessenz (1:4) | Sauerstoffbleiche | Chlor nur bei reinweißem Stoff | Mittel bis Hoch |
Matratze betroffen? Checke den Lattenrost. Stockflecken auf der Matratzenunterseite sind fast immer ein Zeichen dafür, dass auch der Lattenrost betroffen ist. Kondensfeuchtigkeit sammelt sich zwischen Matratze und Rost, besonders bei Lattenrosten ohne ausreichende Belüftung oder bei Modellen mit durchgehender Platte statt einzelnen Latten. Dreh die Matratze um und prüfe die Latten auf dunkle Verfärbungen. Betroffene Holzlatten mit Isopropanol abwischen und komplett trocknen lassen. Solange der Lattenrost schimmelt, kommt der Stockfleck auf der Matratze immer wieder – egal wie gründlich du behandelst.
Was NICHT funktioniert – und warum
Chlorreiniger auf Polstern: Zerstört die Farbe innerhalb von Minuten und greift synthetische Nähte an. Die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich vor chemischen Anti-Schimmel-Sprays in Innenräumen – die Chlorbelastung der Atemluft in einem geschlossenen Wohnraum ist gesundheitlich bedenklich und kann Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen und Atemnot verursachen.
Heißluftföhn: Direkte Hitze tötet zwar Pilze ab (Schimmelpilze sterben ab ca. 50–70 °C), aber sie fixiert die organischen Pigmente in der Faser – ähnlich wie ein Eiweißfleck, der durch Hitze erst richtig festsitzt. Kunstfasern können sich außerdem verformen oder schmelzen.
Eisspray / Tiefkühltrick: Pilzsporen sind kälteresistent. Einfrieren tötet sie nicht – es versetzt sie in einen Ruhezustand. Sobald es wieder warm und feucht wird, wachsen sie weiter. Das gilt auch für Kinderwagen, die im Winter draußen stehen: Die Kälte konserviert den Pilz, eliminiert ihn aber nicht.
Glasreiniger: Wird oft als Universaltipp gehandelt. Zwei Probleme: Erstens sind viele Glasreiniger blau oder grün gefärbt – auf hellen Sofastoffen hinterlässt das eine sichtbare Verfärbung, die schwerer zu entfernen ist als der ursprüngliche Stockfleck. Zweitens sind die enthaltenen Tenside zu schwach, um Pilzsporen abzutöten. Du putzt den Fleck im besten Fall optisch etwas weg, der Pilz lebt aber weiter.
Nur Hausmittel bei tiefem Befall: Wenn der Stockfleck größer als ein DIN-A4-Blatt ist, der Polsterkern riecht oder sich der Befall auf der Rückseite des Bezugs zeigt, stoßen Hausmittel an ihre Grenzen. In solchen Fällen kann ein enzymatischer Spezialreiniger aus dem Fachhandel die bessere Wahl sein – oder es ist Zeit für eine professionelle Polsterreinigung.
Die 5 häufigsten Fehler bei der Behandlung

1. Reiben statt Tupfen. Reibebewegungen drücken die Sporen tiefer ins Gewebe und verteilen sie großflächig. Gleichzeitig wirbelst du Sporen in die Raumluft auf – problematisch für Allergiker.
2. Zu viel Flüssigkeit verwenden. Polsterkerne aus Schaumstoff trocknen extrem langsam. Nässe kann dort wochenlang bleiben. Das Ergebnis: Der Schimmel kommt von innen zurück, unsichtbar aber riechbar.
3. Ohne Farbechtheitsprobe loslegen. Isopropanol ist bei den meisten Stoffen sicher, Essigessenz und Wasserstoffperoxid nicht. Immer zuerst an einer verdeckten Stelle testen und 10 Minuten warten.
4. Geruch ignorieren. Der Fleck ist weg, aber der muffige Geruch bleibt? Dann sitzen noch Pilzreste oder Stoffwechselprodukte im Gewebe. Natron (über Nacht einwirken lassen) und Sonne lösen das Problem in den meisten Fällen.
5. Polster flach trocknen lassen. Kissen und abnehmbare Polster nach der Behandlung immer hochkant stellen. Im Liegen staut sich die Feuchtigkeit an der Unterseite – und du behandelst bald den nächsten Stockfleck.
Vorbeugung: Stockflecken dauerhaft vermeiden
Luftfeuchtigkeit kontrollieren. Stockflecken entstehen ab einer dauerhaften relativen Luftfeuchte über 70 %. Ein Hygrometer (ab 8 Euro) zeigt dir, ob dein Raum im kritischen Bereich liegt. Richtwert: 40–60 % sind ideal.
Polstermöbel nie direkt an Außenwände stellen. Zwischen Sofarückseite und kalter Außenwand bildet sich Kondensfeuchtigkeit. Mindestens 5–10 cm Abstand halten.
Matratzen regelmäßig lüften. Nach dem Aufstehen die Bettdecke zurückschlagen und 20–30 Minuten offenlassen. Einmal pro Monat die Matratze hochkant ans offene Fenster stellen. Und: Den Lattenrost kontrollieren – er ist oft die versteckte Ursache für Matratzen-Stockflecken.
Kinderwagen nach Regenfahrten trocknen. Verdeck nicht im zusammengeklappten Zustand in der Garage stehen lassen. Aufklappen, Stoff abwischen, trocknen lassen.
Kellerräume entfeuchten. Wer Polstermöbel im Keller lagert, braucht einen Luftentfeuchter oder regelmäßiges Stoßlüften – besonders im Sommer, wenn warme Außenluft an kalten Kellerwänden kondensiert.
Häufige Fragen (FAQ)
Sind Stockflecken gesundheitsschädlich?
Ja. Auch abgetötete Schimmelsporen wirken als Allergene (Typ-I-Allergie) und können Atemwegsreizungen, Niesen und Augentränen auslösen. Laut Umweltbundesamt ist nicht die Lebendigkeit der Sporen entscheidend, sondern deren Proteinstruktur – und die bleibt auch nach dem Abtöten erhalten. Deshalb nach der Behandlung immer gründlich absaugen, am besten mit einem Staubsauger mit HEPA-Filter.
Kann man Stockflecken mit Backpulver entfernen?
Auf nicht waschbaren Polstern: besser nicht. Backpulver enthält neben Natron auch Stärke und Säuerungsmittel. Die Stärke kann auf Polstern klebrige Rückstände hinterlassen, die sich ohne Auswaschen kaum entfernen lassen – und die selbst als Nährboden für neuen Schimmel dienen können. Verwende stattdessen reines Natron (Natriumhydrogencarbonat). Es ist wirksamer, hinterlässt keine problematischen Rückstände und lässt sich vollständig absaugen.
Kann ich Glasreiniger gegen Stockflecken benutzen?
Nein. Die meisten Glasreiniger sind blau oder grün gefärbt und hinterlassen auf hellen Stoffen sichtbare Verfärbungen. Dazu kommt: Glasreiniger sind zu schwach, um Pilzsporen abzutöten. Du behandelst den Fleck oberflächlich, der Pilz bleibt aktiv.
Hilft Kälte oder Einfrieren gegen Stockflecken?
Nein. Schimmelsporen überleben Frost problemlos – Kälte versetzt sie lediglich in einen Ruhezustand. Sobald Temperatur und Feuchtigkeit wieder stimmen, wachsen sie weiter. Das ist auch der Grund, warum Kinderwagen nach dem Winter im Freien oft plötzlich Stockflecken zeigen: Die Sporen waren die ganze Zeit da, nur inaktiv.
Helfen enzymatische Reiniger besser als Hausmittel?
Bei tiefem Befall ja. Enzymatische Spezialreiniger (z. B. auf Protease- oder Lipase-Basis) können organische Rückstände im Polsterkern abbauen, an die Hausmittel nicht herankommen. Bei oberflächlichen Stockflecken sind Isopropanol und Wasserstoffperoxid aber genauso wirksam – und deutlich günstiger.
Wann muss das Polster entsorgt werden?
Wenn der Fleck größer als ein DIN-A4-Blatt ist, der Schimmelgeruch trotz Behandlung extrem stark bleibt oder sich der Befall im Polsterkern befindet. Das deutet auf Durchschimmelung hin, die du von außen nicht mehr erreichst.
Übertragen sich Stockflecken auf andere Möbel?
Schimmelsporen verbreiten sich über die Luft. Wenn die Ursache (hohe Luftfeuchtigkeit) nicht behoben wird, können sich Stockflecken auf benachbarten Textilien bilden – nicht durch direkten Kontakt, sondern durch das gleiche Raumklima.
Hilft ein Dampfreiniger gegen Stockflecken?
Ja, die Hitze (über 100 °C an der Düse) tötet Sporen zuverlässig ab. Aber: Der Dampf bringt Feuchtigkeit ins Polster. Sofort danach mit einem Nasssauger absaugen oder das Textil stundenlang mit Ventilator trocknen. Sonst verschlimmerst du das Problem.
Wie bekomme ich Stockflecken aus dem Kinderwagenverdeck?
Verdeck abnehmen, mit Spülmittel-Lösung (ein Spritzer Spüli auf 500 ml lauwarmes Wasser) abreiben, klar nachspülen und in der Sonne trocknen lassen. Essig nur auf den Stoff, nicht ans Metallgestell – Korrosionsgefahr. Bei hartnäckigen Flecken: nach dem Trocknen mit Wasserstoffperoxid 3 % nachbehandeln.
Zahlt die Hausratversicherung bei Stockflecken auf Möbeln?
In der Regel nein. Stockflecken gelten als Folge mangelnder Lüftung oder Pflege, nicht als versicherter Schaden. Ausnahme: nachweisbarer Wasserschaden durch einen Rohrbruch als Ursache.
Was ist der Unterschied zwischen Schimmel und Stockflecken?
Aktiver Schimmel bildet einen sichtbaren, oft pelzigen Rasen und wächst weiter. Stockflecken sind die zurückgebliebenen Pigmente und Faserschäden nach einem (möglicherweise schon abgestorbenen) Pilzbefall. Stockflecken sind quasi die Narbe, Schimmel ist die offene Wunde.
Kann man Stockflecken überfärben?
Technisch möglich, aber keine gute Lösung. Die Pigmente sitzen in der Faser und können durch die neue Farbe hindurchscheinen. Außerdem bleibt der Pilzrest im Material. Besser: erst behandeln, dann entscheiden, ob der Restschatten kosmetisch stört.
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