Stockflecken oder Schimmel ➤ 5 Methoden zur Unterscheidung & Behandlung

So erkennst du den Unterschied, schätzt das Risiko richtig ein und wirst beides gezielt los.

Gelbbraune Flecken an der Schlafzimmerwand, dunkle Punkte auf der Leinenbluse, ein muffiger Geruch im Kleiderschrank: Sind das Stockflecken oder Schimmel? Und vor allem – ist das gefährlich?

Die Unsicherheit ist verständlich. Denn die meisten Ratgeber im Netz machen es sich zu einfach: Entweder wird verharmlost („nur kosmetisch“) oder Panik geschürt. Hier bekommst du stattdessen eine ehrliche Diagnose, eine Risikoeinschätzung und konkrete Methoden, die chemisch funktionieren. Ohne Wundermittel-Versprechen, ohne Panikmache.

Das Wichtigste in Kürze

Inhalt

  • Stockflecken sind kein eigenes Phänomen – sie sind eine Form von Schimmelpilzbefall, meist durch Ascomyceten (Schlauchpilze) wie Aspergillus oder Penicillium.
  • Der sichtbare Unterschied: Stockflecken sind flach und ins Material eingezogen. Klassischer Schimmel wächst pelzig-erhaben auf der Oberfläche.
  • Die Wischprobe klärt 90 % der Fälle: Schmiert oder staubt es beim Wischen → aktiver Schimmel. Bleibt der Fleck fest im Material → Stockfleck.
  • Stockflecken sind nicht harmlos: Sie zeigen an, dass Schimmelpilze aktiv waren oder sind, und können allergische Reaktionen auslösen.
  • Alkohol (70–80 %) ist das effektivste Hausmittel für Wände – er verdunstet schnell und trägt keine Feuchtigkeit ins Material. Achtung: Feuergefahr bei großflächiger Anwendung.
  • Essig auf Kalkputz ist kontraproduktiv: Er bildet Calciumacetat, das dem Schimmel als Nährboden dient.
  • Ab 0,5 m² betroffener Wandfläche empfiehlt das Umweltbundesamt professionelle Sanierung.
  • Prävention ist simpel: Ein Hygrometer für 10 Euro und konsequentes Lüften lösen die meisten Probleme, bevor sie entstehen.
  • Sicherheit geht vor: Bei jeder mechanischen Bearbeitung von Schimmel (Bürsten, Kratzen, Wischen) eine FFP2-Maske tragen – Sporen gelangen sonst in die Atemwege.
Stockflecken oder Schimmel an der Wand – Vorher-Nachher-Vergleich: Links Wand mit Stockflecken zwischen Holzregalen (rotes X), rechts saubere Wand nach Behandlung (grüner Haken). Zwei Schritte: (1) Alkohol 70 % auftragen, (2) Abtupfen, nicht schrubben.
Vorher – nachher: Stockflecken an der Wand mit Alkohol (70 %) abtupfen – nicht schrubben. In drei Schritten ist die Fläche wieder sauber.

Ist Stockflecken das Gleiche wie Schimmel?

Ja, biologisch gesehen sind Stockflecken eine Form von Schimmelpilzbefall. Der Unterschied liegt in der Optik: Stockflecken fehlt die pelzige Oberfläche, da das Pilzmycel ins Material eingezogen ist. Du siehst nur die Verfärbungen, die der Pilz durch seine Stoffwechselprodukte hinterlassen hat – oft Melanin-Pigmente, die chemisch extrem stabil sind. Deshalb gehen Stockflecken beim normalen Waschen kaum raus, selbst wenn der Pilz längst tot ist.

Wichtige Ausnahme bei Papier: Bei alten Büchern und historischen Dokumenten können die typischen bräunlichen Flecken – fachsprachlich „Foxing“ genannt – auch ohne Pilzbeteiligung entstehen. Hier oxidieren Metallpartikel (vor allem Eisen) im Papier und erzeugen Verfärbungen, die optisch kaum von echten Stockflecken zu unterscheiden sind. Wer wertvolle Bücher betroffen hat, sollte vor jeder Behandlung klären, ob tatsächlich Pilzbefall oder eine chemische Reaktion vorliegt – im Zweifel durch einen Restaurator.

Stockflecken oder Schimmel – warum entsteht das Problem?

Entscheidend ist hier ein Faktor: Feuchtigkeit. Aber nicht unbedingt sichtbare Nässe. Stockflecken entstehen oft schon ab 70 % relativer Luftfeuchtigkeit, ohne dass irgendwo Kondenswasser tropft.

Das Problem dahinter ist die sogenannte Taupunktunterschreitung. Wenn du einen Schrank direkt an eine Außenwand stellst, kann die Luft dahinter nicht zirkulieren. Die Wandoberfläche kühlt ab, die relative Luftfeuchtigkeit in diesem Mikroklima steigt – und Schimmelpilzsporen finden ideale Wachstumsbedingungen.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Schimmelpilze brauchen zum Keimen keine Pfütze. Ab einer relativen Luftfeuchtigkeit von ca. 70 % an der Materialoberfläche reicht die verfügbare Feuchtigkeit für Wachstum aus. Der muffige Geruch, den du wahrnimmst, stammt von sogenannten MVOCs (Microbial Volatile Organic Compounds) – flüchtigen Stoffwechselprodukten der Pilze. Einer dieser Stoffe ist Geosmin, der typische „Kellergeruch“.

Klassischer Schimmel entsteht dagegen häufiger durch akute Nässe: Kondenswasser am Fenster, ein Wasserrohrbruch, eine undichte Fassade oder Kältebrücken in der Bausubstanz. Hier wächst der Pilz sichtbar als pelziger Belag auf der Oberfläche und bildet aktiv Sporen, die in die Raumluft gelangen.

Wenn du verstehst, warum etwas wächst, verstehst du auch, warum manche Hausmittel funktionieren – und andere den Befall verschlimmern.

Stockflecken oder Schimmel erkennen: Diagnose in 3 Schritten

Bevor du irgendetwas behandelst, brauchst du eine Diagnose. Hier ist dein Schnelltest – und eine wichtige Grundregel: Trage bei jedem dieser Schritte eine FFP2-Maske, sobald du den Befall mechanisch berührst. Schon leichtes Reiben kann tausende Sporen in die Raumluft freisetzen.

Schritt 1 – Optische Prüfung: Sieh dir den Fleck genau an (Lupe oder Handykamera mit Zoom). Ist der Belag erhaben, pelzig oder flauschig? Dann ist es aktiver Schimmel mit sichtbarem Mycel. Sind die Flecken flach, wolkenartig und ins Material eingezogen? Dann handelt es sich um Stockflecken.

Schritt 2 – Wischprobe: Wische mit einem weißen Tuch oder Küchenpapier über den Fleck. Bleibt ein dunkler Abrieb am Tuch, hast du es mit aktivem Schimmel zu tun – Vorsicht, das sind Sporen. Bleibt das Tuch sauber und der Fleck sitzt fest im Material, sind es Stockflecken.

Schritt 3 – Kratztest (nur bei Wänden): Kratze vorsichtig an der Tapete. Ist es darunter dunkel oder schwarz verfärbt, sitzt der Schimmel im Putz. Dann reicht Oberflächenbehandlung nicht aus.

Vergleichstabelle: Stockflecken vs. Schimmel

MerkmalStockfleckenKlassischer Schimmel
OptikFlache, punktuelle Verfärbungen (gelb/braun/schwarz), oft wolkenartigPelziger, flauschiger Belag, wächst erhaben auf der Oberfläche
HaptikGlatt, im Material eingezogenSchmierig oder staubig (Vorsicht: Sporenflug)
WischprobeFärbt kaum ab, lässt sich nicht wegwischenFärbt stark ab, lässt sich oberflächlich entfernen
GeruchMuffig, „altes Buch“, KellergeruchModrig, faulig, teils stechend
Typische UrsacheSchleichende Feuchtigkeit, mangelnde AblüftungAkute Nässe, Kondenswasser, Kältebrücken
GesundheitsrisikoAllergene möglich, aber geringerer SporenflugHoch – aktive Sporenfreisetzung in die Raumluft

5 Methoden gegen Stockflecken und Schimmel – was wirklich funktioniert

Stockflecken oder Schimmel behandeln – Flat-Lay der Methoden: Isopropanol 70 % und Wasserstoffperoxid 3 % als empfohlene Mittel mit 10 Minuten Einwirkzeit, dazu Holzbürste, weißes Tuch, blaue Schutzhandschuhe und FFP2-Maske. Essig ist bei Kalkuntergründen nicht geeignet (rotes X).
Die zwei wichtigsten Mittel: Isopropanol (70 %) und Wasserstoffperoxid (3 %) – 10 Minuten einwirken lassen, Handschuhe und Maske tragen. Essig nicht auf Kalk verwenden.

Methode 1: Alkohol (Isopropanol 70–80 %)

So gehst du vor: Trage unverdünnten Isopropanol (Apotheke, ca. 3–5 € pro 250 ml) mit einem Lappen auf die betroffene Stelle auf. Nicht schrubben – tupfen und großflächig benetzen. Fenster öffnen, abtrocknen lassen.

⚠ Sicherheitshinweis: Isopropanol 70 % ist leicht entzündlich. Bei großflächiger Anwendung in geschlossenen Räumen besteht Explosionsgefahr durch Dampf-Luft-Gemische. Kein offenes Feuer, nicht rauchen, gut lüften. Erst nach vollständiger Trocknung wieder normal heizen oder elektrische Geräte einschalten.

Geeignet für: Wände, Putz, harte Oberflächen, Holzregale, Kinderwagen-Gestelle.

Nicht verwenden bei: Textilien (trocknet Fasern aus, kann Farben lösen), lackierten Oberflächen.

Warum es funktioniert: Alkohol entzieht den Schimmelpilzzellen Wasser (Dehydrierung) und denaturiert ihre Eiweißstrukturen. Entscheidend ist die Konzentration: 70–80 % wirkt besser als reiner Alkohol, weil das Restwasser dafür sorgt, dass der Alkohol langsamer verdunstet und länger auf den Pilz einwirkt. Was viele nicht wissen: Der Pilz stirbt ab, aber die Pigmente bleiben oft sichtbar. Der Fleck ist dann „tot“, aber noch da.

Methode 2: Wasserstoffperoxid (H₂O₂, 3–10 %)

So gehst du vor: Trage 3%iges Wasserstoffperoxid (Apotheke, ca. 2–4 €) unverdünnt mit einem Wattebausch oder Tuch auf den Fleck auf. Warte, bis es nicht mehr schäumt – das dauert etwa 10–20 Minuten. Danach mit klarem Wasser auswaschen. Bei hartnäckigen Stockflecken: Vorgang wiederholen oder auf 10%ige Lösung wechseln (Handschuhe tragen).

Geeignet für: Helle Textilien, Fugen, Baumwolle, Leinen.

Nicht verwenden bei: Dunklen oder farbigen Stoffen – H₂O₂ bleicht.

Warum es funktioniert: Der aktive Sauerstoff oxidiert die Zellwände des Pilzes und zerstört gleichzeitig die Melanin-Pigmente, die für die hartnäckigen Flecken verantwortlich sind. H₂O₂ zerfällt zu Wasser und Sauerstoff – deutlich verträglicher als Chlor.

Methode 3: Chlorreiniger (Natriumhypochlorit / Javelwasser)

So gehst du vor: Handelsüblichen Chlorreiniger (z. B. DanKlorix; in der Schweiz und Teilen Süddeutschlands als „Javelwasser“ oder „Eau de Javel“ bekannt) unverdünnt auf Fugen oder weiße Textilien auftragen. Einwirkzeit: 15–30 Minuten. Gründlich nachspülen. Raum gut lüften, Handschuhe und idealerweise Atemschutz tragen.

Geeignet für: Ausschließlich weiße Textilien, Silikonfugen, Fliesen.

Nicht verwenden bei: Farbigen Materialien, Holz, Putzwänden, Synthetikgewebe mit Imprägnierung (Zelte, Markisen – Chlor zerstört die Beschichtung). Und niemals mit Säuren mischen – es entsteht giftiges Chlorgas.

Realität-Check: Chlorreiniger bleichen optisch perfekt – der Fleck verschwindet. Aber die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich vor dem großflächigen Einsatz von Bioziden und Chlor in Innenräumen aufgrund der Atemwegsreizung. Auf Silikonfugen im Bad dringt Schimmel oft so tief in den Weichmacher ein, dass selbst Chlor ihn nicht dauerhaft entfernt. Hier hilft nur eins: Fuge rausschneiden und neu verfugen.

Methode 4: UV-Licht (direkte Sonne)

So gehst du vor: Betroffene Textilien, Kissen oder Bücher in die pralle Mittagssonne legen. Idealerweise mehrere Stunden, bei hartnäckigen Stockflecken über 2–3 Tage wiederholen. Zwischendurch wenden.

Geeignet für: Empfindliche Textilien (Seide, feines Leinen), Papier, Bücher, Matratzen, Kinderwagen-Bezüge.

Nicht verwenden bei: Wandflächen (logistisch unpraktisch), akutem Schimmelbefall (zu langsam).

Warum es funktioniert: UV-Strahlung zerstört die DNA der Pilzsporen und macht sie vermehrungsunfähig. Gleichzeitig hat Sonnenlicht einen natürlichen Bleicheffekt auf die Pigmente. Es ist die schonendste Methode – aber auch die langsamste.

Realistische Einschränkung: In Deutschland funktioniert diese Methode am besten im Hochsommer zur Mittagszeit (UV-Index 6+). Im Winter, bei bedecktem Himmel oder hinter Fensterglas (das UV-B fast vollständig filtert) ist die UV-Intensität zu schwach, um Pilzsporen zuverlässig abzutöten. Wer im November auf den Sonnen-Trick setzt, wartet vergeblich.

Methode 5: Vollwaschmittel bei 60 °C

So gehst du vor: Betroffene Kleidung in die Waschmaschine geben. Pulver-Vollwaschmittel verwenden (enthält Bleiche auf Sauerstoffbasis), Temperatur auf 60 °C stellen. Bei hartnäckigen Flecken: Vorbehandlung mit Wasserstoffperoxid 3 % (30 Minuten einwirken lassen) und dann waschen.

Geeignet für: Helle Baumwolle, Bettwäsche, Handtücher, robuste Kleidung, abnehmbare Kinderwagen-Bezüge.

Nicht verwenden bei: Wolle, Seide, empfindlichen Farben. Flüssigwaschmittel ist hier wirkungslos – es enthält keine Bleiche.

Warum es funktioniert: Die Kombination aus Temperatur (60 °C tötet Pilzmycel ab), mechanischer Reibung und Sauerstoffbleiche im Pulver-Vollwaschmittel greift sowohl den Pilz als auch die Pigmente an. Hier wird oft ein Fehler gemacht: Wer Flüssigwaschmittel oder Colorwaschmittel nimmt, wäscht den Pilz nur um, statt ihn zu zerstören.

Material-Guide: Was verträgt welche Behandlung?

MaterialAlkohol 70 %H₂O₂ 3 %ChlorreinigerSonne/UV60°C-Wäsche
Weiße BaumwolleBedingt✔ Gut✔ Gut✔ Gut✔ Beste Wahl
Farbige KleidungNeinNein (bleicht)NeinBedingtBedingt (Farbtest)
Seide / WolleNeinNeinNein✔ Beste WahlNein
Kalkputz / Wand✔ Beste WahlBedingtNein
Fliesen / Fugen✔ Gut✔ Gut✔ Gut
SilikonfugenBedingtBedingtBedingt
Bücher / PapierBedingtNeinNein✔ Beste Wahl
Matratze✔ GutBedingtNein✔ GutBezug separat
Kinderwagen-Bezug✔ Gut (gut auslüften)Bedingt (nur helle Bezüge)Nein✔ Gut✔ Beste Wahl (wenn abnehmbar)
Zelt / Markise / Sonnenschirm✔ GutBedingtNein (zerstört Imprägnierung)✔ GutNein (Beschichtung)

Lesehinweis: „Bedingt“ bedeutet: Funktioniert grundsätzlich, aber mit Risiko (Verfärbung, unzureichende Tiefenwirkung). Vorher immer an unauffälliger Stelle testen.

Sonderfall: Stockflecken auf Zelten, Markisen und Sonnenschirmen

Wer sein Zelt nach einem feuchten Wochenende einpackt, ohne es vollständig zu trocknen, findet beim nächsten Aufbau oft großflächige Stockflecken vor. Das gleiche Problem betrifft Markisen, Sonnenschirme und Bootspersennings – also alles aus beschichtetem Synthetikgewebe.

Was hier anders ist: Diese Materialien haben eine wasserabweisende Imprägnierung (meist PU- oder Silikonbeschichtung), die durch Chlorreiniger oder aggressive Bleichmittel zerstört wird. Das Zelt bleibt danach zwar fleckenfrei, aber nicht mehr wasserdicht.

Die richtige Vorgehensweise: Den Stoff mit lauwarmem Wasser und einer weichen Bürste vorreinigen, dann mit Isopropanol 70 % großflächig abtupfen. Bei hartnäckigen Flecken gibt es spezielle Zeltreiniger (z. B. auf Enzymbasis), die den Pilz angreifen, ohne die Beschichtung zu lösen. Nach der Behandlung: Imprägnierung mit einem Spray erneuern. Und vor allem: Nie wieder feucht einpacken – auch nicht „nur über Nacht“.

Typische Fehler bei Stockflecken und Schimmel

Stockflecken auf weißem Hemd entfernen – gefaltetes Hemd mit Stockflecken am Kragen, daneben Pulver-Vollwaschmittel und Wasserstoffperoxid. Anleitung: Schritt 1 Vorbehandlung mit H₂O₂ 3 %, Schritt 2 Einwirkzeit 30 Min., Schritt 3 Waschen bei 60 Grad. Kein Flüssigwaschmittel verwenden.
Stockflecken auf dem Hemd? Erst mit Wasserstoffperoxid vorbehandeln, dann bei 60 Grad mit Pulver-Vollwaschmittel waschen – Flüssigwaschmittel reicht hier nicht.

Fehler 1: Essig auf Kalkwänden verwenden

Das ist einer der verbreitetsten und schädlichsten Hausmittel-Tipps im Netz. Was viele nicht wissen: Essig (Säure) reagiert mit dem Kalk im Putz (Calciumcarbonat) zu Calciumacetat. Und Calciumacetat ist eine organische Kohlenstoffquelle – sprich: ein Nährboden für Schimmel. Du tötest kurzfristig ein paar Pilzzellen und servierst dem Rest ein Buffet.

Ausnahme: Auf Fliesen oder Glas ist Essig unproblematisch, weil dort kein Kalk reagieren kann.

Fehler 2: Stockflecken einfach überstreichen

Die Feuchtigkeit im Mauerwerk verschwindet nicht durch eine neue Farbschicht. Der Pilz wächst unter der Farbe weiter, nährt sich vom Tapetenkleister und „schlägt“ nach wenigen Monaten durch die neue Oberfläche durch. Erst die Ursache beseitigen (Feuchtigkeit), dann den Pilz abtöten, dann streichen.

Fehler 3: Flüssigwaschmittel statt Pulver verwenden

Flüssigwaschmittel und Colorwaschmittel enthalten keine Bleiche auf Sauerstoffbasis. Sie waschen den Schmutz, aber die Pilzpigmente bleiben. Bei Stockflecken auf Kleidung ist Pulver-Vollwaschmittel die richtige Wahl.

Fehler 4: Backpulver als Allheilmittel überschätzen

Backpulver (Natriumhydrogencarbonat) wird im Netz gern als universelles Anti-Schimmel-Mittel empfohlen. In Wahrheit wirkt es nur oberflächlich abrasiv – du schrubbst den sichtbaren Belag weg, mehr nicht. Backpulver ist fungistatisch (hemmt Wachstum leicht), aber nicht fungizid (tötet den Pilz nicht ab). Bei tiefsitzenden Stockflecken in Putz oder Textilien bringt es praktisch nichts, weil es nicht ins Material eindringt. Und das aufgewirbelte Pulver gaukelt Sauberkeit vor, während das Mycel im Untergrund weiterlebt.

Fehler 5: Aktiven Schimmel trocken abwischen oder abbürsten

Wer pelzigen Schimmel mit einem trockenen Tuch abwischt oder mit einer Bürste bearbeitet, verteilt Millionen Sporen in der Raumluft. Die Sporenkonzentration kann dabei kurzfristig auf das 10- bis 100-Fache ansteigen. Besser: Zuerst FFP2-Maske aufsetzen. Dann die betroffene Stelle mit Alkohol oder einem feuchten Tuch benetzen, damit die Sporen gebunden werden, und erst danach abwischen. Bei größeren Flächen zusätzlich Schutzbrille tragen und den Raum während der Arbeit lüften.

Stockflecken und Schimmel vorbeugen: 5 konkrete Maßnahmen

1. Hygrometer aufstellen: Ein einfaches digitales Hygrometer (ab 8–10 €) zeigt dir die relative Luftfeuchtigkeit. Ziel: dauerhaft unter 60 %. Ab 70 % wird es für Schimmelpilze gemütlich.

2. Richtig Stoßlüften: 3–4 Mal am Tag für 5–10 Minuten Fenster komplett öffnen. Kippstellung reicht nicht – sie kühlt den Fensterrahmen aus und fördert Kondensat.

3. Möbel von Außenwänden abrücken: Mindestens 5–10 cm Abstand zwischen Schrank und Außenwand, damit Luft zirkulieren kann. Das verhindert die Taupunktunterschreitung, die Stockflecken hinter Möbeln verursacht.

4. Nach dem Duschen sofort lüften: Badezimmertür schließen (Feuchtigkeit nicht in die Wohnung verteilen) und Fenster öffnen. Wer kein Fenster hat: Lüfter laufen lassen und Tür erst öffnen, wenn der Spiegel nicht mehr beschlagen ist.

5. Wäsche nicht in der Wohnung trocknen: Ein Wäscheständer mit 5 kg nasser Wäsche gibt bis zu 3,5 Liter Wasser an die Raumluft ab. Wer keine Alternative hat: Fenster im Trockenraum dauerhaft kippen.

Wann du zum Profi musst

Nicht jeder Fleck erfordert einen Fachbetrieb. Aber es gibt klare Grenzen für die Eigenbehandlung:

  • Fläche größer als 0,5 m²: Das Umweltbundesamt rät in seinem Schimmel-Leitfaden, Befall über 0,5 m² nicht mehr in Eigenregie zu sanieren.
  • Körperliche Symptome: Anhaltender Husten, Kopfschmerzen, gereizte Augen oder allergische Reaktionen, die nur in der Wohnung auftreten.
  • Bauliche Ursache erkennbar: Risse in der Fassade, feuchte Wände nach Regen, Wasserflecken an der Decke – hier hilft kein Hausmittel, sondern ein Gutachter.
  • Schimmel kehrt nach Behandlung wieder: Wenn du denselben Befall innerhalb weniger Wochen erneut siehst, ist die Feuchtigkeitsquelle nicht beseitigt.

Häufige Fragen zu Stockflecken und Schimmel (FAQ)

Sind Stockflecken in der Wohnung gefährlich?

Ja, sie können allergische Reaktionen, Atemwegsreizungen und Kopfschmerzen auslösen. Besonders Kinder, Asthmatiker und Immungeschwächte sollten betroffene Räume ernst nehmen.

Kann man Kleidung mit Stockflecken noch retten?

In den meisten Fällen ja. Helle Baumwolle bei 60 °C mit Pulver-Vollwaschmittel waschen. Bei hartnäckigen Flecken vorher mit 3%igem Wasserstoffperoxid vorbehandeln. Empfindliche Stoffe mehrere Stunden in die Sonne legen.

Ist Stockflecken das Gleiche wie Schimmel?

Ja, biologisch gesehen sind Stockflecken eine Form von Schimmelpilzbefall. Der Unterschied liegt in der Optik: Stockflecken fehlt die pelzige Oberfläche, da sie ins Material eingezogen sind.

Kann man Stockflecken einfach überstreichen?

Nein. Die Feuchtigkeit bleibt in der Wand, der Pilz wächst unter der Farbe weiter. Erst die Ursache beseitigen, dann den Pilz mit Alkohol abtöten, dann streichen.

Sind Stockflecken ein Mietmangel?

Das hängt von der Ursache ab. Bei baulichen Mängeln (Kältebrücke, defekte Abdichtung) ist der Vermieter verantwortlich. Bei unzureichendem Lüften trägt der Mieter die Verantwortung. Im Streitfall: Mieterschutzbund konsultieren.

Gehen Stockflecken in der Waschmaschine raus?

Nur mit Pulver-Vollwaschmittel bei mindestens 60 °C. Flüssigwaschmittel enthält keine Bleiche und entfernt die Melanin-Pigmente nicht. Hartnäckige Flecken mit Wasserstoffperoxid vorbehandeln.

Wie riechen Stockflecken?

Muffig-erdig, ähnlich wie ein alter Keller oder ein altes Buch. Verantwortlich ist der Stoff Geosmin, ein Stoffwechselprodukt der Pilze. Der Geruch ist oft das erste Warnsignal – noch bevor du Flecken siehst.

Machen Stockflecken krank?

Sie können allergische Reaktionen und Atemwegsbeschwerden auslösen. Laut Pneumologen besteht ein nachgewiesener Zusammenhang zwischen Schimmelpilzexposition und der Verschlechterung von Asthma-Symptomen. „Nur Stockflecken“ ist kein Grund zur Entwarnung.

Stockflecken auf der Matratze – noch benutzbar?

Bei kleinen, oberflächlichen Flecken: Mit Alkohol 70 % abtupfen und mehrere Stunden in die Sonne stellen. Bezug bei 60 °C waschen. Bei großflächigem Befall oder anhaltendem Geruch: Matratze ersetzen.

Wer zahlt bei Stockflecken an der Wand?

Mieter müssen ausreichendes Heizen und Lüften nachweisen, Vermieter das Fehlen von Baumängeln. Ohne Gutachten lässt sich die Schuldfrage selten klären. Im Zweifel: Mieterschutzbund oder Rechtsanwalt vor der Eigensanierung einschalten.

Sind Stockflecken ansteckend?

Nicht im infektiösen Sinne für Menschen. Aber Schimmelpilzsporen können sich über die Luft auf andere feuchte organische Materialien ausbreiten – etwa von einem befallenen Kleidungsstück auf benachbarte Textilien im selben Schrank.

Kann man Stockflecken aus dem Kinderwagen entfernen?

Ja. Abnehmbare Bezüge bei 60 °C mit Pulver-Vollwaschmittel waschen. Nicht waschbare Teile mit 70%igem Isopropanol abtupfen und anschließend gründlich auslüften bzw. nachwaschen, da der Stoff Hautkontakt mit dem Baby hat. Bei starkem Befall den Bezug aus Sicherheitsgründen ersetzen.

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