Stockflecken überstreichen ➤ 5 Methoden gegen Durchschlagen, Wiederkehr & typische Fehler
➤ Warum normale Wandfarbe bei Stockflecken versagt – und wie du das Problem chemisch statt kosmetisch löst
Du hast die Wand frisch gestrichen, alles sieht sauber aus – und drei Stunden später zeichnet sich der gelbbraune Fleck wieder ab. Exakt an derselben Stelle. Das ist kein Zufall, sondern Physik: Wasserlösliche Pigmente wandern durch die feuchte Farbe zurück an die Oberfläche. Solange du diesen Transportmechanismus nicht unterbrichst, wiederholst du denselben Fehler mit jeder neuen Schicht.
Das Problem dahinter ist simpel: Die meisten Leute greifen zur normalen Dispersionsfarbe, weil sie denken, eine weiße Schicht reicht. Tut sie nicht. Der Fleck „blutet“ durch die frische Farbe hindurch – zuverlässig, jedes Mal. Wer Stockflecken überstreichen will, muss verstehen, warum das passiert. Erst dann funktioniert die Lösung. Das bestätigt auch die Verbraucherzentrale: Ohne Ursachenbeseitigung kommt der Fleck wieder.
Dieser Artikel erklärt dir, wann Streichen reicht, wann die Tapete runter muss und wann du besser einen Fachbetrieb rufst. Ohne Panikmache, ohne Wundermittel-Versprechen.
Das Wichtigste in Kürze
- Normale Wandfarbe reicht nicht. Dispersionsfarbe ist wasserbasiert und löst die Pigmente im Fleck erneut an. Der Fleck kommt zurück.
- Stockflecken sind biologischen Ursprungs. Sie sind meist die optischen Überreste eines Schimmelbefalls – Pigmente abgestorbener oder inaktiver Pilzzellen. Aktiver Schimmel zeigt dagegen pelziges, abwischbares Myzel. Stockflecken sind also kein bloßer „Schmutz“, sondern ein Hinweis auf vergangene oder schwelende Feuchteprobleme.
- Vor dem Streichen: Ursache klären. Feuchtigkeit beseitigen, Wand vollständig trocknen lassen. Sonst versiegelst du das Problem.
- Hausmittel reinigen, isolieren nicht. Alkohol und Wasserstoffperoxid töten Mikroorganismen und bleichen – aber sie verhindern kein Durchschlagen.
- Sperrgrund ist Pflicht. Ein kationischer Sperrgrund oder lösemittelhaltiger Isoliergrund blockiert das Durchbluten der Pigmente physikalisch.
- Tapete prüfen: Wellt sie sich, klingt hohl oder ist durchblüht → abreißen, nicht überstreichen.
- Trocknungszeiten einhalten. Lösemittelhaltiger Sperrgrund braucht 12–24 Stunden, wasserbasierte kationische Produkte sind oft nach 4–6 Stunden überstreichbar (Herstellerangaben prüfen). Wer zu früh überstreicht, löst die Sperrschicht wieder an.
- Ab 0,5 m² Befall: Fachfirma. Das empfiehlt das Umweltbundesamt in seinem Schimmel-Leitfaden – nicht aus Übervorsicht, sondern weil großflächiger Befall auf ein bauliches Problem hinweist.

Kann man Stockflecken einfach weiß überstreichen?
Nein. Normale weiße Wandfarbe ist wasserbasiert. Das Wasser in der Farbe löst die verfärbenden Pigmente im Untergrund an. Beim Trocknen wandern diese Pigmente mit dem Wasser zur Oberfläche – der Fleck erscheint erneut. Du brauchst einen Sperrgrund oder eine Isolierfarbe auf Lösemittelbasis, die einen wasserunlöslichen Film bildet. Erst dann bleibt die Oberfläche dauerhaft weiß.
Warum schlagen Stockflecken durch frische Farbe durch?
Was viele nicht wissen: Das Durchschlagen ist kein Deckungsproblem. Du kannst drei Schichten Dispersionsfarbe auftragen – der Fleck kommt trotzdem. Der Grund liegt in der Physik des Trocknungsprozesses.
Stockflecken bestehen aus wasserlöslichen Pigmenten. Das können Ligninreste aus Gipskarton sein, Nikotinablagerungen, Rußpartikel oder sogenannte Melanoide – dunkle Abbauprodukte abgestorbener Pilzzellen. Entscheidend ist: Diese Stoffe lösen sich in Wasser. Und genau das macht sie biologisch relevant: Stockflecken sind fast immer eine Folge von Schimmelpilzen (häufig Aspergillus oder Penicillium) oder Bakterien. Die sichtbare Verfärbung ist das, was nach dem Absterben oder Eintrocknen übrig bleibt – also kein harmloser Wasserrand, sondern ein Hinweis auf mikrobiellen Befall.
Normale Dispersionsfarbe enthält rund 50 % Wasser als Lösemittel. Beim Auftragen dringt dieses Wasser in den Untergrund ein und löst die alten Pigmente an. Während die Farbe trocknet, verdunstet das Wasser an der Oberfläche. Dabei entsteht ein Kapillarsog: Das Wasser wird mitsamt den gelösten Pigmenten nach oben gezogen. Ergebnis: Der Fleck zeichnet sich exakt wieder ab.
Wissenschaftlicher Hintergrund: Isolierfarben und Sperrgründe funktionieren nach einem anderen Prinzip. Lösemittelhaltige Produkte bilden einen Film, der nicht wasserlöslich ist – die Pigmente können ihn nicht durchdringen. Wasserbasierte Isolierfarben nutzen sogenannte kationische Polymere: positiv geladene Bindemittel, die sich an die negativ geladenen Schmutzteilchen (anionische Pigmente) binden und sie physikalisch „festnageln“. Beide Mechanismen verhindern den Kapillartransport.
Kurz gesagt: Die billige Lösung (einfach drüberstreichen) scheitert nicht an der Qualität der Farbe, sondern am Transportmechanismus des Wassers. Ohne Sperrschicht ist jeder Anstrich eine Wiederholung desselben Fehlers.
Stockflecken überstreichen in 5 Schritten – Kurzanleitung
- Ursache beseitigen: Feuchtequelle finden und abstellen (undichte Leitung, fehlende Lüftung, Wärmebrücke). Ohne diesen Schritt ist alles andere Kosmetik.
- Wand vollständig trocknen lassen: Feuchtemessgerät nutzen. Bei Putz und Mauerwerk: unter 80 % relative Feuchtigkeit im Material (bei kapazitiven Messgeräten: Richtwert unter 40–50 Digits, je nach Hersteller). Das dauert oft Tage bis Wochen. Kein Messgerät zur Hand? Dann hilft der Folien-Test: Klebe ein Stück Alufolie (ca. 20 × 20 cm) mit Malerkrepp luftdicht auf die verdächtige Stelle. Wenn sich nach 24 Stunden Kondenswasser auf der Wandseite der Folie bildet, ist die Wand noch zu feucht zum Streichen.
- Fleck reinigen und desinfizieren: Mit 70–80 % Alkohol oder 3 % Wasserstoffperoxid abtupfen (nicht reiben). Trocknen lassen. Bei reinem Wasserfleck ohne Schimmel reicht gründliches Trocknen.
- Sperrgrund auftragen: Punktuell auf den Fleck und 5–10 cm über den Rand hinaus. Lösemittelhaltige Produkte 12–24 Stunden trocknen lassen, wasserbasierte kationische Sperrgründe sind oft nach 4–6 Stunden überstreichbar (Herstellerangabe beachten).
- Wandfarbe streichen: Normale Dispersionsfarbe über die gesamte Wand oder Fläche. Nur punktuell zu streichen ergibt sichtbare Farbunterschiede im Streiflicht.
Methode 1: Alkohol (Ethanol oder Isopropanol) zur Vorbehandlung

So gehst du vor
Besorge dir Ethanol oder Isopropanol mit mindestens 70 % Konzentration, besser 80 %. Gibt es in der Apotheke oder im Baumarkt als „Spiritus“ (Achtung: Brennspiritus enthält oft Vergällungsmittel, funktioniert aber trotzdem). Trage den Alkohol mit einem sauberen Tuch oder Schwamm auf den Fleck auf. Nicht reiben – tupfen, immer von außen nach innen. Der Alkohol verdunstet schnell, also wiederhole den Vorgang 2–3 Mal im Abstand von jeweils 5 Minuten.
Wirkung: Alkohol entzieht den Zellen von Mikroorganismen Wasser (Dehydrierung) und denaturiert ihre Proteine. Die Organismen sterben ab.
Wichtig: Alkohol bleicht nicht. Der Fleck bleibt optisch sichtbar, ist aber biologisch inaktiv. Du brauchst danach trotzdem Sperrgrund + Farbe.
Geeignet für
- Putz, Beton, Tapeten (Alkohol durchnässt Papier weniger als Wasser)
- Leichte oberflächliche Stockflecken
- Vorbehandlung vor dem Streichen
Nicht verwenden bei
- Großflächigem Befall über 0,5 m² (hier: Fachfirma)
- In der Nähe offener Flammen oder Zündquellen (Alkohol ist leicht entflammbar)
- Auf lackierten Oberflächen – Alkohol kann den Lack anlösen
Methode 2: Wasserstoffperoxid (H₂O₂) – reinigen und bleichen in einem
So gehst du vor
Verwende 3%ige Wasserstoffperoxid-Lösung aus der Apotheke. Für hartnäckige Flecken gibt es im Baumarkt auch 10%ige Lösungen – bei diesen unbedingt Handschuhe und Schutzbrille tragen. Mit einem Tuch auftupfen, 15–20 Minuten einwirken lassen. Der Fleck wird sichtbar heller.
Wirkung: Wasserstoffperoxid zerfällt in Wasser und freien Sauerstoff. Der Sauerstoff oxidiert die Zellwände der Mikroorganismen und zerstört sie. Gleichzeitig bleicht er die dunklen Pigmente – ein Effekt, den Alkohol nicht bietet.
Vorteil gegenüber Alkohol: Der Fleck wird nicht nur desinfiziert, sondern auch optisch abgeschwächt. Das erleichtert das spätere Überstreichen erheblich, weil weniger Pigment durch den Sperrgrund dringen muss.
Geeignet für
- Putz, Beton, Fliesen, Gipskarton
- Flecken mit starker Verfärbung (Nikotinränder, alte Wasserflecken)
Nicht verwenden bei
- Farbigen Tapeten oder Anstrichen (Bleicheffekt!)
- Ohne Handschuhe bei Konzentrationen über 3 %
Methode 3: Essig – und warum er oft mehr schadet als hilft
Hier wird oft ein Fehler gemacht, über den kaum jemand spricht: Essig gilt als universelles Hausmittel gegen Schimmel. Auf mineralischen Untergründen ist er aber kontraproduktiv.
Essig hat einen pH-Wert von etwa 3 – er ist sauer und wirkt pilzhemmend. Soweit die Theorie. Das Problem: Auf Kalkputz, Kalkfarbe oder kalkhaltigen Wandfarben neutralisiert der Kalk (Calciumcarbonat) die Essigsäure. Dabei entsteht Calciumacetat – eine organische Verbindung, die als Nährboden für neuen Schimmel dient.
Realität-Check: Die Verbraucherzentrale warnt explizit davor, Essig auf kalkhaltigen Untergründen einzusetzen. Du züchtest dir damit im schlimmsten Fall neuen Schimmel heran, statt ihn zu bekämpfen. Auf Keramik, Glas oder Metall funktioniert Essig – auf Wänden in den meisten Fällen nicht.
Geeignet für
- Keramik, Fliesen, Glas, Metall
Nicht verwenden bei
- Kalkputz, Kalkfarbe, Silikatfarbe
- Beton (enthält ebenfalls Kalk)
- Gipskartonplatten
Methode 4: Sperrgrund (Grundierung) – die eigentliche Lösung

So gehst du vor
Entscheidend ist hier die Reihenfolge: Erst reinigen und trocknen lassen, dann Sperrgrund auftragen. Wähle einen lösemittelhaltigen Isoliergrund (auf Schellack- oder Alkydbasis) oder einen kationischen Sperrgrund auf Wasserbasis.
Trage den Sperrgrund mit einer kleinen Schaumstoffrolle oder einem Pinsel punktuell auf den Fleck auf – plus 5–10 cm Rand. Eine Schicht reicht bei leichten Flecken. Bei starken Nikotinflecken oder Ruß: zwei Schichten, mit Zwischentrocknung.
Trocknungszeit: Lösemittelhaltige Produkte (Alkyd, Schellack) brauchen mindestens 12–24 Stunden, bis sie vollständig ausgehärtet sind. Wasserbasierte kationische Sperrgründe sind oft schon nach 4–6 Stunden überstreichbar – prüfe aber immer die Herstellerangabe auf der Dose. Wenn du zu früh überstreichst, löst die Feuchtigkeit der Wandfarbe den Sperrgrund teilweise wieder an – und die Sperrwirkung ist dahin.
Danach: Normale Dispersionsfarbe über die gesamte Fläche streichen. Nicht nur den Fleck – sonst siehst du den Auftrag im Streiflicht.
Sicherheitshinweis: Lösemittelhaltige Isoliergründe (Alkyd- und Schellackbasis) gasen flüchtige organische Verbindungen (VOC) aus. Beim Verarbeiten alle Fenster weit öffnen und durchgehend querlüften. Bei längerer Arbeit in geschlossenen Räumen eine FFP2-Maske oder Atemschutzmaske mit A-Filter tragen. Kein offenes Feuer, keine Zündquellen – die Lösemitteldämpfe sind leicht entflammbar. Nach dem Auftrag den Raum mindestens 24 Stunden nicht zum Schlafen nutzen.
Profi-Tipp: Schellack-Isoliergrund
Ein Produkt, das unter Malern seit Jahrzehnten als Problemlöser gilt, bei Heimwerkern aber kaum bekannt ist: Schellack-Isoliergrund. Schellack ist ein Naturharz (gewonnen aus dem Sekret der Lackschildlaus) und wird in Alkohol gelöst – nicht in synthetischen Lösemitteln. Das hat drei konkrete Vorteile: Erstens trocknet Schellack extrem schnell, oft schon nach 45–60 Minuten. Zweitens sperrt er Nikotinflecken, Wasserflecken und Rußverfärbungen zuverlässig ab. Drittens ist der Geruch beim Verarbeiten weniger aggressiv als bei Alkydharzen – trotzdem gut lüften, denn der Alkohol ist entflammbar. Schellack-Isoliergrund kostet ca. 18–30 € pro Liter und ist in Baumärkten oder beim Farbenhändler erhältlich. Für punktuelles Arbeiten an einzelnen Flecken reicht eine 0,5-Liter-Dose problemlos.
Geeignet für
- Alle mineralischen Untergründe (Putz, Beton, Gipskarton)
- Wasserflecken, Nikotinflecken, Stockflecken jeder Art
Nicht verwenden bei
- Feuchten Wänden – erst trocknen!
- Aktivem Schimmelbefall ohne vorherige Desinfektion
Methode 5: Isolierfarbe als Deckanstrich
Isolierfarbe ist dicker und höher pigmentiert als Sperrgrund. Sie bildet einen Film auf der Oberfläche statt im Untergrund. Du kannst sie als Endanstrich verwenden – aber mit einer Einschränkung: Die Oberfläche sieht oft anders aus als normale Wandfarbe. Manche Isolierfarben glänzen leicht, andere wirken stumpfer. Im Streiflicht fällt das auf.
Praxis-Tipp: Für das wirtschaftlichste Ergebnis kombinierst du beide: Sperrgrund punktuell auf den Fleck, dann normale Wandfarbe als Deckanstrich über die ganze Wand. So sparst du die teure Isolierfarbe (15–25 € pro Liter) und bekommst eine einheitliche Oberfläche.
Material-Guide: Was verträgt welche Behandlung?
| Material | Alkohol | H₂O₂ | Essig | Sperrgrund | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|
| Putz (Kalk) | ✔ Ja | ✔ Ja | ✘ Nein | ✔ Ja | Essig bildet Nährboden für Schimmel |
| Putz (Gips) | ✔ Ja | ✔ Ja | ✘ Nein | ✔ Ja | Saugt stark – Tiefengrund vorher nötig |
| Beton | ✔ Ja | ✔ Ja | ✘ Nein | ✔ Ja | Enthält Kalk, daher kein Essig |
| Gipskarton | ✔ Ja | ✔ vorsichtig | ✘ Nein | ✔ Pflicht | Extrem saugfähig – ohne Sperrgrund verpufft jede Isolierfarbe |
| Raufaser-Tapete | ✔ Ja | ✔ vorsichtig | ✘ Nein | ✔ bedingt | Bei Wellung, Hohlklang oder Durchblühen: Tapete entfernen |
| Holz | ✔ Ja | ✔ Ja | ✔ bedingt | ✔ nur optisch | Stockflecken = oft Bläuepilz. Besser abschleifen |
| Fliesen/Keramik | ✔ Ja | ✔ Ja | ✔ Ja | Nicht nötig | Reinigung reicht, kein Streichen erforderlich |
Wann streichen – wann Tapete abreißen? Entscheidungs-Matrix
Nicht jeder Fleck lässt sich einfach überstreichen. Hier die klare Abgrenzung:
- Streichen reicht, wenn: Der Fleck oberflächlich ist, die Tapete fest sitzt, kein Myzel sichtbar ist und die Wand trocken ist.
- Tapete muss runter, wenn: Sie sich wellt, beim Klopfen hohl klingt, der Fleck auf der Rückseite sichtbar ist oder aktiver Schimmel „durchblüht“ (dunkle Punkte auf der Oberfläche, die sich abwischen lassen).
- Putz muss abgeschlagen werden, wenn: Er bröckelt, sandet, tiefschwarz durchzogen ist oder die Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk kommt (aufsteigende Feuchte, defekte Abdichtung).
- Fachfirma rufen, wenn: Der Befall größer als 0,5 m² ist – so empfiehlt es das Umweltbundesamt in seinem Schimmel-Leitfaden –, die Ursache unklar bleibt oder du Atemwegsbeschwerden in dem Raum bemerkst.
5 typische Fehler beim Stockflecken-Überstreichen
Fehler 1: Auf feuchte Wand streichen
Der häufigste und folgenschwerste Fehler. Wenn die Wand noch Restfeuchtigkeit enthält, verschließt du die Feuchtigkeit mit Farbe und Sperrgrund wie unter einem Deckel. Ergebnis: Der Schimmel wächst unsichtbar weiter, bis er an anderer Stelle durchbricht – oder du ihn einatmest. Feuchtemessgeräte kosten ab 15 €. Wer keins zur Hand hat, nutzt den Folien-Test: Alufolie (20 × 20 cm) mit Malerkrepp luftdicht aufkleben, nach 24 Stunden prüfen. Kondenswasser auf der Wandseite? Zu feucht.
Fehler 2: Reiben statt tupfen
Beim Reinigen mit Alkohol oder H₂O₂ verteilen viele die Sporen durch kreisende Wischbewegungen über eine größere Fläche. Immer von außen nach innen tupfen. Tuch danach entsorgen.
Fehler 3: Sperrgrund nicht durchtrocknen lassen
12–24 Stunden klingt nach viel – aber wenn du nach 4 Stunden Wandfarbe aufträgst und einen lösemittelhaltigen Sperrgrund verwendest, löst deren Wasser den noch nicht ausgehärteten Sperrgrund teilweise an. Die Sperrwirkung bricht zusammen, der Fleck kommt durch. Bei wasserbasierten kationischen Sperrgründen sind die Trocknungszeiten kürzer (oft 4–6 Stunden), aber halte dich immer an die Angaben auf der Dose.
Fehler 4: Nur den Fleck punktuell streichen
Sperrgrund punktuell auftragen – ja. Aber den Deckanstrich nur auf den Fleck beschränken – nein. Frische Farbe auf alter Farbe ergibt immer einen sichtbaren Farbunterschied, besonders bei Decken im Streiflicht. Streiche die gesamte Fläche (ganze Wand oder ganzes Deckensegment).
Fehler 5: Backpulver als Schimmelkiller verwenden
Backpulver (Natriumhydrogencarbonat) hat einen hohen pH-Wert und wirkt leicht fungistatisch – es bremst Wachstum, tötet aber kein tiefsitzendes Myzel ab. Als Scheuermittel auf Fugen brauchbar, als Schimmelsanierung ungeeignet.
[Lese auch: Backpulver als Reinigungsmittel – was es kann und was nicht](https://sauberz.de/backpulver-reinigungsmittel/)Vorbeugung: So entstehen Stockflecken gar nicht erst
Stockflecken sind fast immer ein Feuchtigkeitsproblem. Die Flecken selbst sind nur das Symptom. Wenn du die Ursache nicht beseitigst, streichst du alle zwei Jahre wieder.
- Stoßlüften statt Kipplüften: 3× täglich 5–10 Minuten bei weit geöffnetem Fenster. Kippfenster kühlen den Sturz aus und erzeugen Kondenswasser – exakt dort entstehen dann Stockflecken.
- Relative Luftfeuchtigkeit unter 60 % halten: Ein Hygrometer (ab 8 €) zeigt dir, wann du lüften musst. Schlafzimmer und Bad sind kritisch.
- Möbel 5–10 cm von Außenwänden abrücken: Direkt an der Wand stehende Schränke verhindern Luftzirkulation. Die Wandoberfläche dahinter bleibt kalt und feucht.
- Wärmebrücken identifizieren: Fensterlaibungen, Rolladenkästen, Außenecken – das sind die klassischen Stellen. Hier kondensiert warme Raumluft an kalten Oberflächen. Einfacher Laien-Test: Lege im Winter die flache Hand an verschiedene Wandstellen. Fühlt sich eine Stelle deutlich kälter an als eine Innenwand? Dann hast du eine Wärmebrücke gefunden. Genauer geht es mit einem Infrarot-Thermometer (ab 20 €) – eine Oberflächentemperatur unter 12,6 °C bei normaler Raumtemperatur bedeutet Schimmelgefahr.
- Badezimmer: Nach dem Duschen sofort lüften. Nicht die Tür zum Flur öffnen (verteilt die Feuchtigkeit in der ganzen Wohnung), sondern das Fenster.
Häufige Fragen zum Stockflecken-Überstreichen (FAQ)
Kann man Stockflecken einfach weiß überstreichen?
Nein. Dispersionsfarbe ist wasserbasiert und löst die Pigmente im Fleck erneut an. Du brauchst einen Sperrgrund als Zwischenschicht, der den Kapillartransport unterbricht.
Was ist der Unterschied zwischen Stockflecken und Schimmel?
Stockflecken sind meist die optischen Überreste eines Schimmelbefalls – Pigmente abgestorbener Pilzzellen. Aktiver Schimmel zeigt pelziges, abwischbares Myzel und riecht modrig. Beides hat biologischen Ursprung.
Welche Grundierung hilft bei Stockflecken?
Ein kationischer Sperrgrund auf Wasserbasis oder ein lösemittelhaltiger Isoliergrund auf Schellack- oder Alkydbasis. Normaler Tiefengrund hat keine Sperrwirkung.
Kann ich statt Sperrgrund einfach Tiefengrund nehmen?
Nein. Tiefengrund festigt nur sandige, saugfähige Untergründe. Er bildet keine Barriere gegen wasserlösliche Pigmente. Der Fleck schlägt ungehindert durch.
Ist Isolierfarbe gesundheitsschädlich?
Lösemittelhaltige Isolierfarben gasen flüchtige organische Verbindungen (VOC) aus. Beim Verarbeiten gut lüften, Atemschutz tragen und nach Möglichkeit nicht im selben Raum schlafen, bis der Geruch weg ist. Wasserbasierte Varianten sind deutlich weniger belastend.
Wie lange muss Spiritus auf Stockflecken einwirken?
Spiritus verdunstet innerhalb von 1–2 Minuten. Nicht einmal auftragen und warten, sondern 2–3 Mal im Abstand von 5 Minuten nachtupfen, damit die Kontaktzeit ausreicht.
Hilft Chlor gegen Stockflecken?
Ja, Natriumhypochlorit bleicht effektiv und tötet Schimmel ab. Aber: Die Dämpfe reizen Atemwege und Schleimhäute stark. Nur mit FFP2-Maske und bei geöffnetem Fenster verwenden. Auf Metall und farbigen Oberflächen nicht einsetzen.
Warum kommen Wasserflecken nach dem Streichen wieder?
Das Wasser in der Farbe löst die Salze und Pigmente im Fleck an. Beim Trocknen werden sie durch Kapillarsog an die Oberfläche transportiert. Nur eine wasserunlösliche Sperrschicht unterbricht diesen Prozess.
Kann man Isolierfarbe abtönen?
Meistens nicht oder nur sehr begrenzt. Tönungspigmente können die Isolierwirkung beeinträchtigen. Besser: Sperrgrund als unsichtbare Zwischenschicht, darüber abgetönte Wandfarbe.
Wann muss der Putz abgeschlagen werden?
Wenn er sandet, bröckelt, sich vom Untergrund löst oder tiefschwarz durchzogen ist. Auch bei aufsteigender Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk reicht Streichen nicht – hier ist die Bausubstanz betroffen.
Stockflecken an der Decke überstreichen – geht das?
Grundsätzlich ja, mit derselben Methode: Reinigen, trocknen, Sperrgrund, Farbe. Decken sind allerdings häufiger von Kondenswasser betroffen (warme Luft steigt auf). Prüfe daher besonders gründlich, ob die Ursache beseitigt ist.
Ist es gefährlich, Stockflecken auf Tapete zu überstreichen?
Wenn unter der Tapete aktiver Schimmel sitzt, versiegelst du ihn. Der Schimmel wächst weiter und gibt Sporen an die Raumluft ab – auch durch die Farbschicht hindurch. Im Zweifel: Tapete lösen und darunter prüfen.
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