Rotweinflecken aus Teppich entfernen: Die ultimative Anleitung für frische & alte Flecken
➤ Schritt-für-Schritt zum fleckenfreien Teppich – mit Hausmittel-Vergleich für Synthetik und Naturfaser
Das Weinglas kippt um, der Rotwein breitet sich auf dem Teppich aus – und die Panik steigt. Keine Sorge: Mit den richtigen Handgriffen und etwas Wissen über deinen Teppich bekommst du selbst hartnäckige Rotweinflecken wieder raus. Dieser Ratgeber zeigt dir, welche Hausmittel wirklich funktionieren, warum Salz nicht immer die beste Wahl ist und wie du auch eingetrocknete Flecken noch rettest.
Das Wichtigste in Kürze
- Goldene Regel: Tupfen statt reiben – Reiben verfilzt den Flor und arbeitet Farbstoffe tiefer ein
- Zeitfaktor: Die ersten 5 Minuten entscheiden über den Reinigungserfolg
- Materialabhängig: Synthetikteppiche vertragen mehr als empfindliche Wolle oder Sisal
- Salz-Mythos: Nur bei ganz frischen Flecken sinnvoll – bei langer Einwirkzeit kann es den Fleck fixieren
- Hitze vermeiden: Niemals föhnen oder heißes Wasser verwenden – Hitze fixiert die Gerbstoffe dauerhaft
- Kosten Profi: Professionelle Teppichreinigung kostet zwischen 15 und 30 € pro m²
Wie entferne ich Rotweinflecken aus dem Teppich?
Tupfe den frischen Fleck sofort mit Küchenpapier ab – niemals reiben! Gib dann kohlensäurehaltiges Mineralwasser auf den Fleck und arbeite von außen nach innen. Bei Synthetikteppichen helfen Glasreiniger oder Rasierschaum, bei Naturfasern wie Wolle ist Speisestärke oder Schlämmkreide die schonendere Wahl. Je schneller du handelst, desto besser das Ergebnis.
Warum ist Rotwein so hartnäckig?
Rotwein ist der Endgegner unter den Flecken – und das hat chemische Gründe. Zwei Inhaltsstoffe machen ihn besonders tückisch:
Anthocyane sind die natürlichen Farbstoffe im Rotwein. Sie geben ihm die tiefrote Farbe und haften besonders gut an Textilfasern. Je länger sie einwirken, desto tiefer dringen sie ins Gewebe ein. Diese Farbpigmente sind zudem pH-empfindlich: In saurer Umgebung bleiben sie rot, in alkalischer werden sie blau oder grün – ein Effekt, der bei der Reinigung wichtig wird.
Tannine (Gerbstoffe) verstärken diesen Effekt. Sie verbinden sich mit den Fasern und „gerben“ den Stoff regelrecht – ähnlich wie bei der Lederherstellung. Deshalb werden Rotweinflecken mit der Zeit immer schwerer zu entfernen.
Gut zu wissen: Nicht jeder Rotwein färbt gleich stark. Tanninreiche Sorten wie Cabernet Sauvignon, Syrah oder Malbec hinterlassen hartnäckigere Flecken als leichtere Weine wie Pinot Noir oder Beaujolais. Diese chemischen Eigenschaften machen Rotwein auf fast allen Oberflächen zum Problem – nicht nur auf Teppichen. Einen Überblick über alle Materialien und die jeweils besten Methoden findest du in unserem umfassenden Guide zu Rotweinflecken.
Erste Hilfe: Die ersten 5 Minuten entscheiden
Schnelles Handeln ist bei Rotweinflecken das A und O. Je früher du eingreifst, desto vollständiger lässt sich der Fleck entfernen.
1. Schritt: Flüssigkeit aufnehmen
Nimm dir sofort Küchenpapier oder ein sauberes weißes Baumwolltuch. Tupfe die Flüssigkeit vorsichtig auf – ohne zu reiben! Arbeite dabei immer von außen nach innen, um den Fleck nicht zu vergrößern.
Wichtig: Verwende nur weiße oder ungefärbte Tücher. Farbige Stoffe können auf den Teppich abfärben und das Problem verschlimmern.
2. Schritt: Verdünnen mit Mineralwasser
Gieße etwas kohlensäurehaltiges Mineralwasser auf den Fleck. Die Kohlensäure hilft dabei, die Farbstoffe von der Faser zu lösen. Tupfe erneut von außen nach innen.
Wiederhole diesen Vorgang mehrmals: Mineralwasser auftragen, kurz einwirken lassen, abtupfen. So verdünnst du den Fleck Schritt für Schritt.
3. Schritt: Restfeuchtigkeit entfernen
Lege zum Schluss mehrere Lagen Küchenpapier auf den Fleck und beschwere sie mit einem schweren Gegenstand (zum Beispiel einem Buch oder Topf). Die Papiere saugen die restliche Feuchtigkeit aus dem Teppich.
Profi-Tipp gegen Wasserränder: Lege nach der Behandlung ein trockenes, saugfähiges Tuch auf die feuchte Stelle und beschwere es für mehrere Stunden. So ziehst du Feuchtigkeit auch aus den tieferen Faserschichten und verhinderst unschöne Ränder beim Trocknen.
Kenne deinen Teppich: Synthetik vs. Naturfaser
Bevor du zu Hausmitteln greifst, solltest du wissen, aus welchem Material dein Teppich besteht. Denn nicht jedes Reinigungsmittel verträgt sich mit jeder Faser.
Synthetikfasern (Polyester, Polyamid, Polypropylen)
Synthetikteppiche sind robust und pflegeleicht. Sie vertragen die meisten Hausmittel gut:
- Glasreiniger und Rasierschaum funktionieren hier zuverlässig
- Säuren wie Essig oder Zitronensaft sind unbedenklich
- Die Fasern nehmen weniger Farbstoff auf als Naturfasern
- Selbst leichte Bleichmittel sind bei hellen Teppichen möglich
Erkennungsmerkmal: Synthetikfasern fühlen sich oft glatter an und schmelzen, wenn du sie mit einem Feuerzeug testest (Vorsicht!).
Übrigens: Viele Sofas und Polstermöbel bestehen aus denselben Fasern wie Teppiche. Die Reinigung funktioniert ähnlich – aber mit ein paar wichtigen Unterschieden. Alles dazu erfährst du in unserem Ratgeber Rotweinflecken vom Sofa entfernen.
Naturfasern (Wolle, Sisal, Seide, Jute)
Naturfaserteppiche sind empfindlicher und verzeihen weniger Fehler:
- Säuren (Essig, Zitrone, Weißwein) können die Fasern angreifen
- Bleichmittel zerstören die natürliche Struktur
- Salz kann bei langer Einwirkzeit die Fasern schädigen
- Zu viel Feuchtigkeit führt zu Schimmel oder Verfärbungen
Erkennungsmerkmal: Naturfasern riechen beim Verbrennen nach verbranntem Haar und bilden eine bröselige Asche.
Experten-Tipp: Bist du dir unsicher? Teste jedes Reinigungsmittel zuerst an einer unauffälligen Stelle – zum Beispiel unter dem Sofa oder an der Teppichkante. Warte 10 Minuten und prüfe auf Verfärbungen.
Hausmittel-Vergleich: Was passt zu deinem Teppich?
| Hausmittel | Synthetik | Wolle | Sisal/Jute | Seide | Wirksamkeit |
|---|---|---|---|---|---|
| Mineralwasser | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ★★★☆☆ |
| Glasreiniger (farblos) | ✓ | ⚠️ | ✗ | ✗ | ★★★★☆ |
| Rasierschaum | ✓ | ⚠️ | ✗ | ✗ | ★★★★☆ |
| Salz | ✓ | ⚠️ | ⚠️ | ✗ | ★★☆☆☆ |
| Schlämmkreide | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ★★★★☆ |
| Speisestärke | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ★★★☆☆ |
| Gallseife | ✓ | ✓ | ⚠️ | ✗ | ★★★★☆ |
| Backpulver/Natron | ✓ | ⚠️ | ⚠️ | ✗ | ★★★☆☆ |
| Essig/Zitrone | ✓ | ✗ | ✗ | ✗ | ★★★☆☆ |
Legende: ✓ = geeignet | ⚠️ = mit Vorsicht/vorher testen | ✗ = nicht empfohlen
Die besten Hausmittel im Faktencheck
Mineralwasser – Der sichere Allrounder ✓
So funktioniert’s: Die Kohlensäure löst die Farbpigmente von den Fasern und bringt sie an die Oberfläche. Dort lassen sie sich leichter abtupfen.
Anwendung: Großzügig auf den Fleck gießen, 2–3 Minuten einwirken lassen, mit weißem Tuch abtupfen. Mehrmals wiederholen.
Geeignet für: Alle Teppicharten – die schonendste Methode für den Anfang.
Glasreiniger – Der Geheimtipp ✓
So funktioniert’s: Die Tenside im Glasreiniger lösen Fett und Farbstoffe. Die schnelle Verdunstung verhindert, dass der Teppich durchnässt.
Wichtig: Verwende nur farblosen Glasreiniger! Blaue oder grüne Reiniger können helle Teppiche dauerhaft verfärben.
Anwendung: Auf den Fleck sprühen, 5 Minuten einwirken lassen, mit feuchtem Tuch abtupfen. Anschließend unbedingt mit klarem Wasser nachtupfen, um Seifenreste zu entfernen (siehe Hinweis unten).
Geeignet für: Synthetikteppiche, robuste Mischgewebe.
Rasierschaum – Für großflächige Flecken ✓
So funktioniert’s: Der Schaum dringt tief in die Fasern ein und umschließt die Farbpigmente. Beim Abtupfen werden sie mitgenommen.
Wichtig: Verwende nur weißen, unparfümierten Rasierschaum (z.B. „Sensitive“). Gel funktioniert nicht!
Anwendung: Schaum auftragen, mit einer weichen Bürste einarbeiten, 10–15 Minuten einwirken lassen, mit feuchtem Tuch abnehmen. Zum Schluss mehrfach mit klarem Wasser abtupfen, um alle Schaumreste zu entfernen.
Geeignet für: Synthetikteppiche, Hochflorteppiche.
⚠️ Wichtiger Hinweis: Seifenreste gründlich auswaschen!
Bei allen Reinigern, die Tenside enthalten (Rasierschaum, Glasreiniger, Spülmittel), gilt: Gründlich mit klarem Wasser nachtupfen!
Der Grund: Im Teppich verbleibende Seifenreste wirken klebrig und ziehen neuen Schmutz regelrecht an. Dieser Effekt heißt in der Fachsprache „Wiederanschmutzung“ – und er sorgt dafür, dass die gereinigte Stelle nach einigen Wochen schmutziger aussieht als der Rest des Teppichs.
Die Lösung: Tupfe die behandelte Stelle zum Schluss mehrmals mit einem nur in klarem Wasser getränkten Tuch ab. Dann trockenes Tuch auflegen und beschweren.
Salz – Der Mythos unter der Lupe ⚠️
Salz ist das bekannteste Hausmittel gegen Rotwein – aber auch das umstrittenste.
Wann Salz hilft: Bei ganz frischen Flecken saugt Salz die Flüssigkeit durch Adsorption (Anlagerung an der Oberfläche) auf. Das funktioniert aber nur, wenn der Fleck noch nass ist und das Salz schnell wieder entfernt wird.
Wann Salz schadet: Bleibt Salz länger als 15–20 Minuten auf dem Fleck, kann es die Farbstoffe im Gewebe fixieren. Bei Naturfasern wie Wolle greift es zusätzlich die Faserstruktur an und kann bräunliche Ränder durch Oxidation verursachen.
Anwendung (nur bei frischen Flecken): Salz großzügig aufstreuen, maximal 10 Minuten einwirken lassen, absaugen oder abkehren, mit Mineralwasser nachbehandeln.
Fazit: Salz ist eine Notlösung, wenn nichts anderes verfügbar ist – aber Mineralwasser ist fast immer die bessere Wahl.
Schlämmkreide – Der Profi-Geheimtipp ✓✓
Der chemisch überlegene Ersatz für Salz: Schlämmkreide (auch als Calciumcarbonat bekannt) macht alles, was Salz kann – nur besser und ohne die Nachteile.
So funktioniert’s: Schlämmkreide adsorbiert Farbstoffe an ihrer porösen Oberfläche (zieht sie also an sich) und neutralisiert gleichzeitig Säuren im Wein. Der entscheidende Vorteil: Sie geht keine chemische Verbindung mit den Anthocyanen ein und fixiert den Fleck daher nicht.
Anwendung: Kreide großzügig auf den feuchten Fleck streuen, vollständig trocknen lassen (2–4 Stunden), absaugen. Bei Bedarf wiederholen.
Geeignet für: Alle Teppicharten – besonders empfehlenswert bei Naturfasern wie Wolle, wo Salz schadet.
Bezugsquelle: Schlämmkreide gibt es in Drogerien, Apotheken oder online. Du findest sie manchmal auch unter dem Namen „Champagnerkreide“ oder „Wiener Kalk“.
Speisestärke & Kartoffelmehl – Die sanfte Alternative ✓
So funktioniert’s: Wie Salz und Kreide nutzen diese Pulver das Prinzip der Adsorption – sie binden Flüssigkeit und Farbstoffe an ihrer Oberfläche. Der Vorteil: Sie reagieren chemisch nicht mit dem Fleck.
Anwendung: Pulver auf den noch feuchten Fleck streuen, vollständig trocknen lassen (mehrere Stunden), absaugen, bei Bedarf mit Seifenlösung nachbehandeln.
Geeignet für: Besonders für empfindliche Naturfaserteppiche wie Wolle oder Sisal.
Gallseife – Der Emulgator für hartnäckige Fälle ✓
So funktioniert’s: Gallseife enthält natürliche Enzyme, die sowohl Fett als auch Farbstoffe lösen können.
Anwendung: Gallseife anfeuchten, auf den Fleck reiben (hier ist leichtes Reiben erlaubt), 15 Minuten einwirken lassen, mit lauwarmem Wasser austupfen. Gründlich mit klarem Wasser nachtupfen, um Seifenreste zu entfernen.
Geeignet für: Eingetrocknete Flecken auf robusten Teppichen.
Backpulver & Natron – Bedingt empfehlenswert ⚠️
So funktioniert’s: Die alkalische Wirkung kann Säuren neutralisieren und Farbstoffe lösen.
Anwendung: Mit etwas Wasser zu einer Paste anrühren, auf den Fleck geben, trocknen lassen, absaugen.
Vorsicht: Die alkalische Reaktion kann bei empfindlichen Fasern zu Verfärbungen führen – der Fleck wird manchmal blau oder grün (siehe FAQ). Unbedingt vorher testen!
Weißwein auf Rotwein – Der Mythos ✗
Die Idee: Die Säure im Weißwein soll die Farbstoffe des Rotweins neutralisieren. In der Theorie stimmt das teilweise – die Säure kann Anthocyane tatsächlich chemisch verändern.
Das Problem: Weißwein enthält Zucker und Alkohol, die nach dem Trocknen klebrige Rückstände hinterlassen. Diese ziehen Schmutz an und können bei Naturfasern die Struktur schädigen.
Unser Urteil: Nimm lieber Mineralwasser – das funktioniert genauso gut, hinterlässt aber keine Rückstände.
Eingetrocknete Rotweinflecken retten
Die Party ist vorbei, der Fleck wurde übersehen – und jetzt ist er eingetrocknet. Keine Panik: Auch alte Flecken lassen sich oft noch behandeln. Es braucht nur mehr Geduld und stärkere Mittel.
1. Schritt: Den Fleck rehydrieren
Eingetrocknete Farbstoffe musst du erst wieder lösen, bevor du sie entfernen kannst. Bei diesem Vorgang – Fachleute nennen ihn Rehydrierung – weichst du die verhärteten Pigmente wieder auf.
Befeuchte den Fleck großzügig mit:
- Destilliertem Wasser (am schonendsten)
- Kohlensäurehaltigem Mineralwasser
- Farblosem Glasreiniger (bei Synthetik)
Lass das Mittel 10–15 Minuten einwirken. Der Fleck sollte sichtbar aufweichen.
2. Schritt: Mit Reinigungsmittel behandeln
Jetzt kommen die stärkeren Hausmittel zum Einsatz:
Für Synthetikteppiche:
- Waschmittellösung: 1 EL Feinwaschmittel in 500 ml lauwarmem Wasser
- Glycerin-Lösung: Glycerin und Wasser im Verhältnis 1:1 mischen
- Reiner Alkohol oder Spiritus: Wenn Glasreiniger nicht ausreicht, hilft oft hochprozentiger, klarer Alkohol (Isopropanol aus der Apotheke) oder Brennspiritus. Er löst alte, verhärtete Farbstoffe noch aggressiver. Auf ein Tuch geben, Fleck abtupfen, gut lüften. Nur bei Synthetik anwenden!
Für Naturfaserteppiche:
- Gallseife: Sanft einarbeiten, nicht zu stark reiben
- Speisestärke-Paste: Stärke mit wenig Wasser anrühren
- Schlämmkreide: Trocken auftragen, einwirken lassen
Trage das Mittel auf, lass es 15–30 Minuten einwirken und tupfe es mit einem feuchten Tuch ab. Anschließend mit klarem Wasser nachtupfen.
3. Schritt: Wiederholen
Bei eingetrockneten Flecken ist Geduld gefragt. Wiederhole den Vorgang mehrmals – oft sind 3–5 Durchgänge nötig, bis der Fleck vollständig verschwunden ist.
Ist der Fleck besonders hartnäckig oder schon tagelang eingetrocknet? Dann lohnt sich ein Blick in unseren Spezial-Ratgeber Eingetrocknete Rotweinflecken entfernen – dort gehen wir noch tiefer ins Detail.
Letzter Ausweg: Bleichmittel
Bei weißen oder sehr hellen Synthetikteppichen kann 3%ige Wasserstoffperoxid-Lösung (aus der Apotheke) als letzte Maßnahme helfen. Diese Konzentration ist stark genug, um Farbstoffe zu bleichen, aber mild genug, um die Fasern nicht anzugreifen.
Anwendung: Lösung auf den Fleck tupfen, 30 Minuten einwirken lassen, mit klarem Wasser auswaschen.
Wichtige Warnung:
- Nur bei rein weißen Synthetikteppichen anwenden!
- Niemals stärkere Konzentrationen (6% oder mehr) verwenden – sie können selbst Synthetikfasern zerstören
- Bei farbigen Teppichen oder Naturfasern drohen irreversible Schäden
Wenn Hausmittel nicht reichen: Kommerzielle Fleckenentferner
Versagen alle Hausmittel, können spezielle Teppichfleckenentferner helfen. Tests (z.B. vom Schweizer Kassensturz) zeigen, dass Produkte wie Tuba Clean oder Vanish Oxi Action bei hartnäckigen Flecken gute Ergebnisse erzielen.
Unser Rat: Hausmittel sind oft schonender für den Teppich und die Umwelt. Greife erst zu kommerziellen Reinigern, wenn die natürlichen Methoden versagen – und befolge dann genau die Herstelleranweisungen.
Die 6 größten Fehler bei der Fleckentfernung
1. Fehler: Reiben statt Tupfen
Reiben ist der häufigste Fehler – und der schlimmste. Du arbeitest die Farbstoffe nur tiefer ins Gewebe ein und verfilzt den Flor. Immer tupfen!
2. Fehler: Hitze einsetzen
Niemals föhnen, niemals heißes Wasser verwenden! Hitze fixiert die Gerbstoffe dauerhaft im Gewebe. Was einmal „eingebrannt“ ist, bekommst du nicht mehr raus.
3. Fehler: Von innen nach außen arbeiten
Arbeitest du von der Mitte nach außen, vergrößerst du den Fleck. Immer von außen nach innen tupfen – so bleibt der Fleck begrenzt.
4. Fehler: Farbige Reinigungsmittel oder Tücher
Blauer Glasreiniger auf hellem Teppich? Buntes Handtuch zum Abtupfen? Beides kann abfärben und das Problem verschlimmern. Nur farblose Mittel und weiße Tücher verwenden!
5. Fehler: Zu lange warten
Je länger der Rotwein einwirkt, desto stärker verbinden sich die Farbstoffe mit den Fasern. In den ersten 5 Minuten hast du die besten Chancen auf vollständige Entfernung.
6. Fehler: Den Teppich durchnässen
Vorsicht vor Staunässe: Arbeite immer nur mit feuchten Tüchern, niemals tropfnass! Dringt Feuchtigkeit bis in den Teppichrücken, drohen gleich zwei Probleme: Bei verklebten Teppichen kann sich der Kleber lösen und Wellen entstehen. Bei allen Teppichen begünstigt Staunässe Schimmelbildung unter dem Belag – ein Schaden, der weit schlimmer ist als der ursprüngliche Rotweinfleck.
Die Regel: Lieber mehrmals leicht feucht behandeln als einmal durchnässen. Auch Hersteller von Teppichpflegeprodukten wie Dr. Schutz weisen in ihren Pflegeanleitungen ausdrücklich darauf hin.
Wann solltest du einen Profi rufen?
Manchmal ist professionelle Hilfe die bessere Wahl:
- Antike oder wertvolle Teppiche: Das Risiko, durch falsche Behandlung Schäden zu verursachen, ist zu hoch
- Seidenteppiche: Seide verträgt fast keine Hausmittel und braucht spezielle Pflege
- Großflächige Flecken: Wenn der halbe Teppich betroffen ist, lohnt sich die Investition
- Erfolglose Eigenversuche: Wenn der Fleck nach mehreren Behandlungen noch sichtbar ist, kann ein Profi mit speziellen Geräten und Chemikalien oft noch helfen
Was kostet professionelle Teppichreinigung?
| Teppichart | Preis pro m² |
|---|---|
| Maschinell gefertigte Standardteppiche | 12–18 € |
| Hochflor- und Shaggy-Teppiche | 15–20 € |
| Orientteppiche und Wollteppiche | 18–30 € |
| Seidenteppiche und Handgeknüpfte | 30–50 € |
| Zusatzleistungen (Fleckbehandlung, Imprägnieren) | +10–30 € |
Tipp: Viele Reinigungen bieten kostenlose Vorabbesichtigungen an. So erfährst du vorher, ob sich die Reinigung lohnt und was sie kostet.
Fazit: So rettest du deinen Teppich
Rotweinflecken sind ärgerlich, aber kein Grund zur Panik. Mit dem richtigen Wissen und schnellem Handeln bekommst du die meisten Flecken wieder raus.
Die wichtigsten Regeln:
- Sofort handeln – die ersten Minuten entscheiden
- Tupfen, nicht reiben – die goldene Regel
- Material beachten – Synthetik verträgt mehr als Naturfaser
- Von außen nach innen – so bleibt der Fleck begrenzt
- Vorher testen – jedes Mittel an unauffälliger Stelle prüfen
- Keine Hitze – niemals föhnen oder heißes Wasser verwenden
- Gründlich auswaschen – Seifenreste ziehen neuen Schmutz an
Und wenn alle Hausmittel versagen? Dann ist der Gang zum Profi keine Niederlage, sondern die kluge Entscheidung für deinen Teppich.
Quellen
- Frag Mutti: Community-Tipps für Rotweinflecken
- Talu.de: Schritt-für-Schritt Anleitung und Hausmittel-Vergleich
- OBI Ratgeber: Teppichreinigung und Materialkunde
FAQ: Häufig gestellte Fragen über Rotweinflecken aus Teppich entfernen
Hilft Weißwein wirklich gegen Rotweinflecken?
Teilweise. Die Säure im Weißwein kann die Farbstoffe chemisch verändern. Allerdings hinterlässt Weißwein klebrige Zuckerrückstände und kann bei Naturfasern schaden. Mineralwasser ist die bessere Alternative.
Darf ich Rotweinflecken bügeln?
Auf keinen Fall! Die Hitze des Bügeleisens fixiert die Gerbstoffe dauerhaft im Gewebe. Der Fleck wird dann nie wieder vollständig rausgehen.
Hilft Milch bei Rotweinflecken?
Manche Ratgeber empfehlen Milch wegen der bleichenden Milchsäure. Wir raten dennoch ab: Die Wirkung ist minimal, und das Risiko überwiegt. Dringt die Milch tief in den Flor ein und wird nicht restlos entfernt, wird sie ranzig. Der Geruch von saurer Milch im Teppich ist deutlich schlimmer als der ursprüngliche Rotweinfleck – und extrem schwer wieder loszuwerden. Gallseife oder Schlämmkreide sind die bessere Wahl.
Wie lange habe ich Zeit, den Rotweinfleck zu behandeln?
Idealerweise sofort. Die ersten 5 Minuten sind entscheidend. Nach 24 Stunden wird die Entfernung deutlich schwieriger, aber selbst eingetrocknete Flecken lassen sich oft noch behandeln.
Kann ich jeden Teppich selbst reinigen?
Die meisten ja – mit den richtigen Mitteln und Vorsicht. Bei sehr wertvollen, antiken oder Seidenteppichen solltest du aber lieber einen Profi beauftragen. Das Risiko für dauerhafte Schäden ist sonst zu hoch.
Hilfe, der Fleck ist jetzt blau oder grün! Was nun?
Keine Panik – das ist eine chemische Reaktion und lässt sich beheben. Die Anthocyane (Farbstoffe) im Rotwein reagieren auf alkalische Reiniger wie Seife, Backpulver oder manche Glasreiniger. In basischer Umgebung verfärben sie sich blau oder grün.
Die Lösung: Tupfe die Stelle vorsichtig mit verdünntem Essigwasser ab (1 Teil Essig auf 3 Teile Wasser). Die Säure neutralisiert den pH-Wert, und der Fleck wird wieder rot. Dann wie gewohnt weiterbehandeln.
Kann ich Salz auch auf Wollteppichen verwenden?
Besser nicht. Salz entzieht Wolle als Naturfaser Feuchtigkeit und macht sie mit der Zeit spröde und brüchig. Außerdem drohen bei längerer Einwirkzeit chemische Reaktionen, die den Fleck bräunlich fixieren – das Gegenteil von dem, was du willst.
Bessere Alternativen für Wolle: Mineralwasser, Speisestärke oder Schlämmkreide. Diese Mittel sind schonend zur Faser und fixieren den Fleck nicht.
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